Bhutan auf dem Weg zu 100 Prozent Bio

In Sachen ökologischer Landwirtschaft hat sich Bhutan einiges vorgenommen. Als erstes Land weltweit möchte es ausschließlich biologische Lebensmittel produzieren. Das Himalaya-Königreich gelegen zwischen China und Indien verfügt über eine Naturbelassenheit, die seinesgleichen sucht. So wurden alle wirtschaftlichen Interessen der letzten Jahrzehnte dem Umwelt- und Naturschutz untergeordnet. Selbst das Wachstum des Landes wird nicht mit wirtschaftlichen Indikatoren gemessen, sondern mit einem nationalen Glücklichkeitsfaktor. Da ist es nur verständlich, dass Massentourismus verboten ist, um Bhutan vor einem touristischen Ausverkauf zu schützen oder dass ein wöchentlich stattfindender Fußgänger-Tag die Autos aus den Zentren verbannt. Wie wichtig den Bhutanern die Erhaltung ihrer Landschaft ist, wird in der Schule bereits den Kindern vermittelt und so findet der Unterricht oft praxisbezogen in der Natur statt.

Rund 700.000 Menschen leben in Bhutan, zwei Drittel davon sind von ihren landwirtschaftlichen Erträgen abhängig. Nachdem der überwiegende Anteil des Landes bewaldet ist, bleiben nur drei Prozent der Fläche für den Anbau von Kulturpflanzen übrig. Zwar verwendet die Mehrheit der Landwirte Kompost und natürlichen Dünger, doch auch Chemikalien finden ihren Einsatz. Beispielsweise in den mit Strassen gut erschlossenen Gegenden rund um die Hauptstadt Thiumphu, wo Dünger und Pestizide auch einfach verteilt werden können. Eingesetzt werden die Chemikalien beispielsweise gegen ein Unkraut, das nur schwer händisch gejätet werden kann. Oder der Braunrost am Weizen wird mit einem speziellen Fungizid kontrolliert.

Bio als politischer Wille

Nun wurde von der Regierung eine Strategie entwickelt und ein entsprechender Zeitplan erstellt, wonach künftig die gesamte Landwirtschaft auf Bio umgestellt werden soll. Zwar kann das nicht über Nacht passieren, aber mit ein paar Getreidesorten ist jetzt schon ein Anfang gemacht. Beim Anbau von Reis wird es aber noch etwas dauern bis die Umstellung erfolgt ist. Der Verzicht auf Chemikalien hat auch den Vorteil, dass sich für Bhutan die Importkosten reduzieren. Eine besondere Herausforderung für ein Land, das ohnehin wenig ausländische Währung besitzt.

Peter Melchett, Direktor der britischen Soil Organisation, sieht den Vorteil in der Strategie von Bhutan zu 100 Prozent auf Biolandwirtschaft umzustellen, dass der geplante politische Weg für den Konsumenten auch eine Qualitätsgarantie bedeutet. Wenn es keine Chemikalien in Zukunft mehr zum Kaufen gibt, dann muss es ja zu 100 Prozent organisch sein. Ganz anders z. B. in Spanien: Wenn Biobauern neben konventionellen anbauen, dann ist es für die Biobauern schwer, ihre Ernte frei von Verunreinigung zu halten. Bhutan kann mit diesen Zukunftsplänen zu einem hochqualitativen Bio-Erzeuger werden, einen gewaltigen Marktvorteil erarbeiten und zudem die Chance auf eine höhere Preispolitik wahr machen.

Ein bemerkenswerter Weg, den Bhutan beschreitet. Landwirtschaft mit Idealismus zu bekleiden. Bei uns in D-A-CH zeigen ja auch immer wieder Bauern, dass sie durchaus bereit sind, sich von konventionellen Pfaden zu verabschieden und mit Herzblut Landwirtschaft zu betreiben. Was bei uns nur noch fehlt, ist die politische Initiative, diese Form der Landwirtschaft zu unterstützen. Aber vielleicht sollten wir auch zuerst das Bruttonationalprodukt durch einen Bruttoglücksfaktor ersetzen. In Zeiten wie diesen, vielleicht ein mehr als erstrebenswerter Weg. Oder was meinen Sie?

Foto: Katharina Hoyer/www.pixelio.de

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