Filmtipp: More than Honey

In dem neuesten Film von Regisseur Markus Imhoof geht es um mehr als um Honig, es geht um das nackte Überleben der Bienen. Was sind die Gründe für das weltweite Bienensterben? Regisseur Markus Imhoof geht in „More than Honey“ auf Spurensuche und trifft dabei auf Imker mit unterschiedlichsten Zugängen. Wie rücksichtslos und ausschließlich auf Gewinn orientiert die Berufsimkerei z. B. in den USA funktioniert, wird in dieser Dokumentation anhand eines Großimkers erzählt, der seine Stöcke von Februar bis November auf riesigen Trucks querfeldein durch die USA karrt.

Die erste Station macht er dabei in Kalifornien auf einer riesigen Fläche voll von Mandelbäumen, die bis zum Horizont reicht. Eine gewaltige Monokultur, die nur durch regelmäßiges Spritzen von künst-lichen Substanzen wachsen kann. Die Bienen auf den Bäumen überleben das Besprühen (laut Berufsimker), aber ihre Brut ist nach diesen Behandlungen krank und stirbt. Erschreckend auch die Bilder über die maschinelle Gewinnung des Honigs. Das Sterben ganzer Stöcke gehört in der Welt der industrialisierten Imkerei zum Alltag.

Ortswechsel: In einer naturbelassenen Schweizer Berggegend pflegt ein Imker schon in der vierten Genera- tion Bienenstöcke. In dieser idyllischen Gegend sollten die Bienen alles haben, was zu einem natürli- chen Bienenleben dazugehört, sollte man meinen. Es kommt jedoch zu einer Vermischung mit den Bienen des Nachbarn. Am Ende müssen alle Stöcke des Bauern vernichtet werden, weil die Brut von Maden befallen ist. Es sind sehr bewegende Bilder über das Bienensterben, das auch vor der Idylle der Schweizer Berge nicht halt macht.

Wanderarbeiter als Bestäuber

Ortswechsel: In weiten Teilen Chinas gibt es keine Bienen mehr. Mao ließ die Spatzen „in großem Maßstab“ umbringen, da sie den Menschen das Futter weg fraßen, so meinte er. Durch die fehlenden Spatzen, gab es eine Insektenplage, die mit Pestiziden bekämpft wurden. Und so starben auch die Bienen. Heute sind es die Wanderarbeiter, die den Part der Bienen übernehmen. Und die Situation grenzt ans Absurde: Man sieht Hunderte von Arbeitern auf den Feldern: Erst sammeln sie die Blüten ein, dann die Pollen, der in Säckchen in den Markt gelangt. Schließlich sieht man die Arbeiter auf den Feldern, wie sie die Blüten bestäuben.

Und das Geschäft mit Bienen läuft gut: Im Film eine Imkerin, die ihren Stock so manipuliert, dass sie darin über 50 Königinnen aufziehen lässt. Wenn sie dann geschlüpft sind, werden sie eingefangen, in kleine Päckchen gepackt und per Post verschickt.

Grandiose Aufnahmen

Imhoffs Film ist mehr als sehenswert, weil er auf eine sehr zurückhaltende Weise zeigt, wie wir mit den Bienen umgehen, wie wir uns die Natur zunutze machen, um Profit daraus zu schlagen. Er verwendet dabei keine plakative Sprache, nichts Marktschreierisches, sondern er macht es in der Form der ruhigen Erzählung. Manchmal zu ruhig und die eine oder andere Szene hätte man durchaus kürzen können. Diese Längen tun dem Film aber keinen Abbruch. Besonders faszinierend sind die Aufnahmen vom Inneren des Bienenstocks: Fantastisch das Schlüpfen der Königinnen oder der Bienentanz, mit dem sie den anderen mitteilen, wo der nächste, gute Futterplatz ist. Furchtbar, aber filmtechnisch grandios die Aufnahmen vom Befall durch die Varroa Milbe.

Auch die Idee, dass Imhoof mit einer autobiografischen Geschichte diesen Film begleitet, die Erzählung über seinen Großvater, der viele Stöcke hielt und endend bei seiner Tochter in Australien, die Bienenforscherin ist, verleiht dem Film eine persönliche Note. Das Ende kam für mich unvermittelt und hinterließ die Frage: Wohin fliegen wohl jetzt die Bienen? Sie schwebten ab – wirkten wie künstliche Gestalten. Vielleicht ein Hinweis darauf, wie rar der Bienenbestand weltweit wurde. Und wenn wir nicht Acht geben, dann sind sie morgen tatsächlich schon künstliche Gestalten.

alle Fotos: © Filmladen Filmverleih; Foto (1): Begattung in vollem Flug; Foto (2): Pakete voller Arbeitskraft: Die Bienenvölker müssen für den Weltmarkt fit gemacht werden; Foto (3): Auch in der traditionsreichen Welt des Schweizer Bergimkers Fred Jaggi hat das mysteriöse Bienensterben Einzug gehalten; Foto (4): In China müssen Menschen das Bestäuben der Blüten selbst übernehmen.

In Österreich und der Schweiz ist der Film bereits zu sehen, ab dem 8. November läuft er in den deutschen Kinos an.

Tweet about this on Twitter0Share on Google+0Share on Facebook0

3 thoughts on “Filmtipp: More than Honey

    • 23. Oktober 2012 um 19:27
      Permalink

      Das ist allerdings traurig. Aber ich denke, dass es diesen Film bald auf DVD geben wird…

      Antwort
      • 23. Januar 2014 um 12:00
        Permalink

        ….ich weine nur 2/3 des Filmes …ohne Worte

        Antwort

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>