Umweltfreundliche Grasfresser auf Klauen

Wer hasst es nicht? Es ist Sonntagnachmittag, der Griller läuft gerade auf Hochtouren, das Bier ist schön gekühlt und auf einmal startet der Nachbar den nervigen Rasenmäher. Wäre da nicht das beruhigende Almen-Bimmeln von Ziegenglöckchen den Nerven viel zuträglicher? Alles kein Problem solange man in San Francisco lebt. Da gibt es nämlich „City Grazing – environmental weed eaters on hooves“. Was soviel heißt wie Stadt Grasen – umweltfreundliche Grasfresser auf Klauen. City Grazing ist eine kleine Firma, die Ziegen vermietet um Rasen und Wiesen zu mähen. Vorteile gegenüber Rasenmähern gibt es viele: Ziegen können in noch zu schwierig erschließbarem Gelände arbeiten, sie brauchen kein Benzin und sie düngen gleichzeitig. Sie brauchen zum Arbeiten nur eines: Appetit und den bringen sie gratis mit.

Ein prominenter Kunde von City Grazing ist der Flughafen von San Francisco: Die Ziegen, vom Flughafen Personal auch liebevoll „organic weed abatement program“ genannt (auf Deutsch: organisches Grasbekämpfungsprogramm) kommen auf einem unter Naturschutz gestelltem Bereich des Flughafens zum Einsatz. Dort werden sie einmal im Jahr bestellt um die Wiese zu mähen, indem sie sie einfach kahl fressen. Der Grund dafür sind zwei vom Aussterben bedrohte Tierarten die sich dort angesiedelt haben und deren Lebensraum geschützt werden muss. Es handelt sich dabei um eine Strumpfbandnatter und eine seltene Froschart. Die Ziegen werden von einem Biologen und einem Ziegenhirten überwacht, damit sie ja nicht in den Lebensraum der zwei seltenen Tierarten eingreifen. Der Flughafen von San Francisco ist aber nicht der erste Konzern, der sich die guten Mäheigenschaften von Ziegen zu Nutze macht. Auch der Weltkonzern Google hat schon einmal Ziegen eingestellt, um den hauseigenen Rasen zu pflegen.

Ein weiterer Kunde von City Grazing ist auch die Eisenbahngesellschaft von San Francisco, da werden die Ziegen gebraucht um Gleise wieder blank zu fressen. Die an Menschen sehr gewöhnten Tiere werden artgerecht gehalten. Man kann sie auch zu Lehrzwecken oder Geburtstagspartys mieten. Vermietet werden je nach Grundstücksgröße drei bis fünfzig Ziegen.

Ein Beitrag von über_Land-Gastautorin Anne Martischnig.

Foto: Citiy Grazing

Ein Kulturtipp: Appenzeller Ziegen im Museum

Noch bis 4. November 2012 läuft die Sonder-ausstellung „Chomm giz giz giz“, bei der sich alles um die Appenzeller Ziege dreht. Sie war und ist in der Bildenden Kunst ein beliebtes Sujet. Die Ausstellung zeigt beispielsweise die Ziegenbilder von Carl August Liner (1871-1946) oder Fotos von Clemens Schildknecht aus den 1930er Jahren oder die Arbeiten des Fotografen Mäddel Fuchs. Gezeigt werden u.a. auch die Projekte der chinesischen Filmemacherin Yu Hao, die die Appenzeller Ziege immer wieder auf Videos festgehalten hat.

Weitere Infos: Museum Appenzell , Hauptgasse 4, 9050 Appenzell

Ein Kulinarik-Tipp: Labneh von Ziegenmilch

Eine besondere Spezialität stellt der Haidacher Ziegenhof in Tirol her. Thomas und Brigitte Eberharter produzieren aus Ziegenrohmilch „Labneh“. Das ist ein Frischkäse, den ich besonders gerne auf einer Scheibe Schwarzbrot mag. Cremig in seiner Konsistenz und wunderbar nach Ziege schmeckend. Ausprobieren. Das Porträt dieser Landwirte finden Sie auf „Tiroler Ziegenmilch für die Saudis“

Tweet about this on Twitter0Share on Google+0Share on Facebook0

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>