Vielfalt statt industrieller Monokultur

ueberland.12.arche.noah.Jedem Fan von seltenen alten Sorten liegt noch der umstrittene Vorschlag der EU-Kommission vom Frühjahr dieses Jahres im Magen. Dieser löste Befürchtun- gen aus, dass der freie Tausch von Saat- und Pflanzgut zwischen Bauern und Gärtnern strafbar werden könnte. Für viele alte Sorten bedeutete dieser Vorschlag das „Aus“, Vielfalt und bäuerliche Saatgut-Kultur stünden damit am Abstellgleis. Was dieser Vorschlag massiv gefährdet hätte, kann der Interessierte im Schaugarten der Arche Noah bewundern. Wann dieser Garten genau entstanden ist, liegt im Dunkeln. Zum ersten Mal wird er im Schilterner Urbar von 1706 erwähnt, wo „Hoffgärten“ und ein „Kuchlgarten“ im Umfeld des Schlosses genannt werden. 1740 erfolgte die barocke Umgestaltung von Schloss und Garten. Aus dieser Zeit stammen auch Gartenmauer und das schmiedeeiserne Gartentor – angeblich eine Stiftung von Kaiserin Maria Theresia.

Über zwei Jahrhunderte später, wir schreiben das Jahr 1995, gründet die Arche Noah hier ihren Schaugarten. Der Tenor dabei: regionale Vielfalt statt industrieller Monokultur.

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Seltene Gemüsesorten sollen wieder auf dem Acker oder im Garten angebaut und auf den Märkten verkauft werden. Es geht um die Erhaltung und Weiterentwicklung der Vielfalt unserer Kulturpflanzen. Und die Ergebnisse dieser Ziele werden im Schaugarten lebendig veranschaulicht. Wie bunt, unterschiedlich und abwechslungsreich ein Garten sein kann, wird hier dem Besucher wunderbar vor Augen geführt.

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ueberland.5Obstfesttage in Schiltern

Vielfalt steht nicht nur bei den Pflanzen im Mittelpunkt. Es werden auch die ueberland.11.schaubalkonunterschiedlichen Wege aufgezeigt, um diese Vielfalt zu erreichen. Wie auf kleiner Fläche Vielfaltsgärtnern in Topf und Kiste möglich ist, zeigt ein Schau-Balkon. Eine Streuobstwiese lädt mit ihren alten Apfelbaumsorten zum Verweilen ein. Oder wie sich die Mayas seit Jahrhunderten mit ihrem landwirtschaftlichen System einer Milpa ihre genetische Vielfalt der Nutzpflanzen erhalten, trägt zu einem erweiterten Bild über den Tellerrand bei. Sie bauen übrigens gleich mehrere Arten und Sorten von Mais, Bohnen und Kürbissen an.ueberland.10.schafe

Am 5. und 6. Oktober werden die Obstfesttage als Abschluss der heurigen Gartensaison veranstaltet. Gezeigt wird eine umfangreiche Sortenausstellung aus über 100 verschiedenen Apfelsorten mit Verkostungsmöglichkeit. Und es gibt auch einen ueberland.14.lusthausObstbestim-mungsservice: Wenn Sie in Ihrem Garten eine unbe- kannte Apfel- oder Birnen- sorte stehen haben, dann können Sie 5 ausgereifte Früchte mitbringen, die dann von Experten vor Ort bestimmt werden.

Der eingangs zitierte Vorschlag der EU wurde zwar aufgrund der Proteste abgeschwächt, z. B. wurden Hobbygärtner und Landwirte, die für den Eigenbedarf Saatgut nachbauen, ausgenommen. Oder für Erhaltungssorten und Kleinunternehmer sind weitreichende Befreiungen von den Gebühren vorgesehen. Nichts desto Trotz müssen die Alarmglocken weiterhin schrillen, wenn der Zugang zu gewissen Sorten reglementiert und vergebührt wird. Diese Verordnungen entstehen in der Regel am Schreibtisch, ein Blick nach Schiltern würde reichen, um sich dieses wertvollen Kulturguts bewusst zu werden.

Ort: Obere Strasse 40 (Eingang gegenüber vom Schloss Schiltern)
3553 Schiltern bei Langenlois in Niederösterreich

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