Die Zukunft der Bauern-Blogs hat erst begonnen

Das Wochenende steht vor der Tür. Sie sind auf der Suche nach Lesestoff? Am besten etwas, das mit Landwirtschaft zu tun hat? Ich möchte Ihnen heute gerne ein paar Blogs vorstellen, die zu meinen persönlichen Favoriten zählen.

Von der Architektur in die Landwirtschaft

Eins vorweg: Blogger unter den Landwirten gibt es im deutsch sprachigen Raum noch reichlich wenig. Das mag vielleicht damit zusammenhängen, dass der Alltag eines Bloggers schwer mit dem eines Bauern kompatibel ist. Der Blogger ist die meiste Zeit im Internet präsent, bedient oft mehrere soziale Netzwerke gleichzeitig; die intensive Recherche und das Verfassen der Beiträge nehmen viel Zeit in Anspruch. Da bleiben für andere Beschäftigungen kaum noch freie Zeitressourcen. Trotzdem gibt es sie: die bloggenden Landwirte:
Auf der Neuen Züricher Zeitung bloggt immer wieder lesenswert der Berglandwirth. Dahinter steckt Jürg Wirth, er ist ausgebildeter Wirtschaftsingenieur, begann später als Journalist für Architektur und Design zu arbeiten. Der Zivildiensteinsatz brachte ihn auf einen Bauernbetrieb in Lavin, wo er mittlerweile den Hof gepachtet hat und auf dem zweiten Bildungsweg Landwirt gelernt hat. Seit neun Jahren praktiziert er den Beruf auch. Er beschäftigt sich auf seinem Blog mit den existenziellen Themen einer Landwirtschaft und geht z. B. der Frage nach: Warum jetzt seine Kühe trocken sind?

Mehr als nur ein Blog

Facettenreich der Blog von Ruedi Baumann: Der gebürtige Schweizer ist vor zehn Jahren nach Frankreich ausgewandert und betreibt dort einen Bio-Bauernhof. Sein Auswanderer-Blog ist thematisch vielseitig: Neben Themen der Landwirtschaft, dem Landleben widmet sich Baumann immer wieder politischen Fragen. Kein Wunder, war er doch viele Jahre politisch aktiv und als Höhepunkt seiner Polit-Karriere Präsident der Schweizer Grünen.

Blick über den Tellerrand

„Alles was Sie schon immer über die Landwirtschaft wissen wollten“ finden sie auf Adis Agro-Blog. Adrian Krebs ist selbst Agronom, Reporter bei der Neuen Züricher Zeitung und derzeit Präsident der Schweizer Agrarjournalisten. In diesen Funktionen ist er auch immer viel unterwegs: Besonders spannend sind seine Auslandsbeiträge, in denen er die Unterschiede in der Landwirtschaft heraus arbeitet. Auf seinem Blog findet sich weiters (vermutlich) die größte Blog-Kuh-Sammlung. Sollten Sie ein besonderes Kuhfoto haben, kontaktieren sie ihn doch!

Wo bleiben die Bloggerinnen?

Frauen sind im Bereich Landwirtschaft und Web 2.0 sehr dünn gesät. Martina Nachtsheim bloggt beispielsweise über Slow-Food, Stutenmilch und Kräuter und darüber, was sich ein kleiner Betrieb im Waldviertel (A) einfallen ließ, um überlebensfähig zu sein.
Bloggerinen sind Mangelware. An Themen in der Landwirtschaft wird es nicht liegen, denn die gibt es wie Sand am Meer. Auch die unterschiedlichen Funktionen der Frauen in der Landwirtschaft würden den Themenkreis erheblich bereichern. Vielleicht entschließt sich ja demnächst die eine oder andere, ihren Agro- oder Farmerblog, Hofladen-Blog oder Agrotourismus-Blog zu starten. Für diejenigen habe ich einen ganz speziellen Tipp: Um am Anfang zu Besuchern zu kommen und den Blog bekannt zu machen, gibt es auf vanvox, dem Web für Frauen, eine feine Sache: Dort können ausschließlich Frauen ihren Blog vorstellen und präsentieren. Das betrifft nicht nur Landschaftsblogs, sondern alle Themenbereiche. Dieser tollen Initiative der Betreiberin Christina Fuchs bin ich gefolgt und kann es nur wärmstens weiter empfehlen.

Weitere Info: Einen umfassenden Gesamtüberblick über Landwirtschaftsblogs findet der Suchende bei Michael Wenzl. Dort können neue Blogs auch eingetragen und gesammelt präsentiert werden.

Photo: mem-film.de/photocase

17 thoughts on “Die Zukunft der Bauern-Blogs hat erst begonnen

  • 28. Oktober 2011 um 09:55
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    Hallo Babara,
    danke dir für die Empfehlung. Ich kann jeden, der Spaß am Schreiben hat, nur ermutigen, einen Blog zu starten, ob männlich oder weiblich. Mit einem Blogsystem wie WordPress ist so ein Blog schnell und trotzdem in hoher Qualität erstellt. Wichtig ist das regelmäßige Schreiben, ob es ein Artikel pro Woche ist oder einer am Tag. Und wenn die Beiträge eine gewisse Qualität haben, dann kommen so nach und nach auch die Leser.
    Über noch mehr „Frauenwebsites“ aus dem Bereich Landwirtschaft würde ich mich sehr freuen.
    Liebe Grüße,
    Christina

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    • 28. Oktober 2011 um 11:21
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      Gerade Frauen erfüllen in landwirtschaftlichen Betrieben die unterschiedlichsten Rollen. Sie hätten eine Menge zu erzählen. Bleibt zu hoffen, dass die eine oder andere auch mal die Zeit fürs Bloggen findet.

      Antwort
  • 28. Oktober 2011 um 10:47
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    Wäre sehr schön wenn es mehr „Blogger von der Front“ (hier Urproduktion) gäbe. Authentizität und echte Einblicke wären uns gewiß. Guter Beitrag auf die schon bestehenden hinzuweisen!

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    • 28. Oktober 2011 um 11:14
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      Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Bauern schon recht häufig das Web 2.0 nutzen, aber eher in Richtung „Beteiligung an Foren“. Service und Tipps sind da ganz wichtig; der gegenseitige Austausch. Mit den Blogs könnte man persönlichere – und wie Du richtig schreibst – authentische Einblicke gewinnen. Die Zeit kommt noch.

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    • 31. Oktober 2011 um 07:59
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      Er wird gleich zu Beginn des Beitrags „Von der Architektur in die Landwirtschaft“ erwähnt.

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  • 31. Oktober 2011 um 20:28
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    Den eingangs erwähnten zeitlichen Einwand gegen das bäuerliche Bloggen kann ich nur schwer nachvollziehen: Gerade jetzt im Spätherbst und Herbst müsste eigentlich bei entsprechendem Interesse hinreichend Zeit für’s Lesen und Schreiben sein; und unterm Jahr ist der Blog halt ein Spiegel des bäuerlichen Arbeitsalltags: notfalls von früh bis spät draußen unterwegs. 😉

    Danke jedenfalls für die Links!

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    • 1. November 2011 um 15:54
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      Schön, dass es einen ambitionierten gibt, der künftig direkt „von der Front“ schreiben wird. Ich freue mich auf diesen Blog.

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  • 13. Dezember 2011 um 14:28
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    Hallo!
    Kennt ihr eigentlich auch lesenswerte Blogs von Landwirten aus Österreich?

    lg

    Antwort
    • 13. Dezember 2011 um 20:56
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      Hallo Cornelia, da tut sich noch wenig auf dem Gebiet der bloggenden österreichischen Landwirte. Wenn Du auf lesenswerte stößt, lass‘ es uns doch bitte wissen.

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  • 7. April 2015 um 10:33
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    Sehr schöne Zusammenstellung. Sind wirklich interessante Blogs dabei.

    So aufwendig ist das Bloggen aber auch wieder nicht. Je nach dem worüber man schreibt hat man einen Beitrag recht schnell fertig. Es kann auf jeden Fall nicht schaden im Web mitzumischen.

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    • 7. April 2015 um 12:01
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      Danke. Ein Blog ist sicher eine gute Möglichkeit, um seine Produkte oder Dienstleistungen im Web bekannt zu machen. Arbeit macht es in jedem Fall. Und das sollte man auch genau wissen, bevor man einen Blog startet. Auf Corporateblog.eu bringe ich immer wieder Interviews mit Unternehmern, die einen Blog führen und sie berichten auch über ihre Erfahrungen.

      Antwort
  • 20. September 2016 um 15:35
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    Genau wie in jeder anderen Branche beginnen nun auch Landwirte mit der Vernetzung. Wieso denn nicht über die Erfolge des Betriebs berichten, sich austauschen, sich helfen. Alles über das Internet. Ich sehe das als große Bereicherung und Chance.

    Antwort
    • 21. September 2016 um 08:48
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      Das sehe ich auch so.

      Antwort
  • 30. November 2016 um 12:37
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    Ich würde mich ebenso über ein paar mehr Blogs zum Thema Agrar freuen. Vielleicht gibt es da draußen ein paar die insbesondere auf die Landtechnik eingehen möchten..? Wie wäre es mit einer Auflistung aller Agrarblogs? ..ist nur so eine Idee..

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