Filmtipp: Weiberleut

Bäuerinnen, die ihren Hof ohne Mann bewirtschaften, stehen im Dokumentarfilm „Weiberleut“ im Mittelpunkt. Dabei werden sechs sehr unterschiedliche Bäuerinnen porträtiert, die die schwierige Herausforderung der alleinigen Bewirtschaftung meistern. Schwierig im doppelten Sinn: Zum einen ist die Arbeit als solche körperlich anstrengend, zum anderen fehlt es heute noch immer an gesellschaftlicher Akzeptanz
Auf eine sehr ruhige einfühlende Weise porträtiert die Regisseurin Gertraud Schwarz die Bäuerinnen:
Da ist Margret, die von den Einkünften des gepachteten Hofs gerade mal überleben kann, aber die Freiheit, selbständig zu sein, mit nichts auf der Welt tauschen würde. Oder Anna, die neben ihrem Bergbauernhof noch eine Schihütte betreut. Greti züchtet Schweine, pflügt Äcker und trifft sich mit ihrer Frauengruppe. Wegheiraten kam für Christine nicht in Frage – was hätte sonst ihre Familie tun sollen? Und einen Mann wünscht sich die Mutter für ihre Tochter Claudia, aber ist das auch Claudias Wunsch?

Nichts Romantisches

Gertraud Schwarz hat selbst bäuerliche Wurzeln. Das Thema „ist in der Öffentlichkeit nicht sehr bekannt“, daher hat es sie auch besonders interessiert, einen Film darüber zu machen. Zu den Frauen selbst kam sie über bäuerliche Vereinigungen. Es war dann aber nicht so einfach eine Übereinkunft mit den Frauen darüber zu finden, was und wie viel sie an persönlicher Geschichte preisgeben wollten. Ganz bewusst zeigt Schwarz ihre Bäuerinnen bei der Arbeit draußen am Acker, auf dem Traktor, im Wald oder im Stall. „Ich wollte die Bäuerinnen nicht traditionell in der Küche zeigen, sondern vor allem, wie sie die körperlich schweren Außenarbeiten und das Arbeiten mit den Maschinen durchführen“, so Schwarz. Die Frauen selbst berichten dabei von den Anfangsschwierigkeiten, was sie alles lernen mussten, um erfolgreich bestehen zu können. Und sie erzählen darüber, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen.
Besonders beeindruckend ist, dass man nicht als Zuseher diesen Film erlebt, sondern so, als wäre man im Geschehen mit dabei: Gleich zu Beginn die Einstellung im Stall, wo man den Eindruck gewinnt, ein Teil der Kuhherde zu sein. Das kommt einerseits von der Kameraführung aber auch von der Authentizität des Films: Da gibt es nichts gekünsteltes, nichts vorgegaukeltes. Es werden auch keine falschen Vorstellungen über das Land, das Landleben und die Arbeit als Bäuerin geweckt. Nichts Romantisierendes stört den Blick auf das Wesentliche: Ganz klar und einfühlsam wird die harte Arbeit dieser Bäuerinnen gezeigt – eine Aufgabe, die die Frauen gerne machen und sie auch ein Stück stolz macht.
Endlich ein Film, der die Arbeit der Bäuerinnen in den Vordergrund rückt und den Frauen damit den nötigen gesellschaftlichen Respekt zollt.

Zur Regisseurin: Nach der Ausbildung zur Fotografin am Kolleg für Fotografie absolvierte sie das Studium der visuellen Mediengestaltung an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Dort entstanden vor allem Kurzvideos, Videoinstallationen und interaktive Installationen. Mit der Arbeit an Dokumentarfilmen beschäftigt sie sich seit 2002. Sie arbeitet als freiberufliche Fotografin, Künstlerin und Regisseurin.
Zum Trailer: http://www.weiberleut.at/pages/trailer.html
Zur DVD: www.weiberleut.at , info@weiberleut.at

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