Veganer Wein (4): Abseits vom Mainstream

ueberland.Thomas.SchwarzDer junge Winzer Thomas Schwarz aus Purbach (Burgen- land) ist selbst weder vegan noch ernährt er sich vegetarisch. Trotzdem produziert er Weine ganz ohne tierische Zusatz-stoffe: Was dabei heraus kommt, sind im Geschmack eigenständige und lebendige Weine. Du hast 2005 das Weingut Deiner Eltern übernommen, warst aber schon vorher sehr aktiv im Weinbau tätig.

Thomas Schwarz: Genau genommen arbeite ich seit 1993 ständig im Betrieb meiner Eltern, wo ich vom Hausmeister über den Verkaufsleiter bis zum Traktorfahrer alles gemacht habe und noch immer mache.

Welche Ausbildung hast Du gemacht?

Thomas Schwarz: Nach der Matura im Diözesangymnasium 1990 habe ich anschließend kurz Wirtschaftsinformatik inskribiert, dann 1991 in Krems das Weinmanagement begonnen und 1993 absolviert.

Nachdem Du von Deinen Eltern übernommen hast, hast Du den Betrieb auf Bio umgestellt. Was hat Dich dazu bewogen?

Thomas Schwarz: Einer meiner besten Freunde, Toni Söllner aus Gösing, hat davor schon lange an mir gebohrt, als dann Betriebsübernahme und Geburt meiner Tochter folgten, war ich reif dafür.

Was bedeutet Bio für Dich?

Thomas Schwarz: Bio inklusive biodynamisch ist der Weg, der mir und meiner Umwelt gut tut. Ich hätte gerne schon früher damit begonnen, hab’ aber keinen Kopf dafür gehabt. Alles hat seine Zeit.ueberland.Jellasitz

Viele Konsumen- ten halten Bio für eine willkommene Marketingmaß- nahme, um Produkte teurer verkaufen zu können.

Ist Biowein automatisch teurer als konventioneller?

Thomas Schwarz: Biowein kann es sich nicht leisten teurer zu sein: Es ist für die meisten Weintrinker immer noch wichtiger, dass der Wein gut ist. Sekundär ist es, ob er bio ist. Leider!

Dein Wein ist nicht nur bio, sondern auch vegan. Ernährst Du Dich selbst vegan?

Thomas Schwarz: Ich bin weder Veganer noch Vegetarier. Ich versuche bewusst zu essen, eher wenig Fleisch. Am liebsten würde ich eine Kreislaufwirtschaft im engeren Umkreis auf die Beine stellen, um zu wissen, was ich bekomme.

Du gibst dem Wein keine tierischen Zusatzstoffe bei. Was heißt das für die Produktion oder in der Kellertechnik?

Thomas Schwarz: Ich versuche, so wenig Schwefel wie möglich einzusetzen, wobei ich momentan nicht an schwefelfreie Produktion denke. Keine tierischen Produkte deshalb, weil sie nicht notwendig sind und dem Wein völlig fremd sind. Das einzige Produkt „vom Tier“, das ich gerne im Umfeld Wein sehe, ist der Mist, den ich ausbringe, denn der belebt die Biosphäre Weingarten auf einzigartige Weise.

Welche veganen Sorten bietest Du an?

Thomas Schwarz: Aus der aktuellen Weinliste ist alles vegan, von der leichten Spitzmühle bis zum Likörwein Vindemia.

Sind vegane Weine im Kommen?

Thomas Schwarz: Das kann ich nicht wirklich beantworten, die Veganer unter uns werden zwar mehr, in Sachen Wein hat sich bei mir noch niemand dazu geäußert.

Du kelterst Deine Weine schlicht und einfach – wie Du es selbst beschreibst. Als Produkt entstehen weder dominante Kraft-Pakete noch gefällige Schmeichler. Was ist Dir an Deinem Wein wichtig? 

Thomas Schwarz: Ich möchte authentischen Wein machen, der nach seinen Trauben und Weingarten schmeueberland.ThomasSchwarzckt, und meine Handschrift trägt. Das heißt er bekommt Freiraum beim Gären, beim Lagern, wenig bis kein neues Holz, eher große Fässer.

Deine Weine entsprechen nicht dem Mainstream. Hat man es da immer einfach, seine Weine zu verkaufen?

Thomas Schwarz: Es war teilweise sehr aufreibend, da die Weine anstren-gender waren, hintergründiger als das, was viele gewohnt sind. Allerdings suchen mittlerweile viele, die genau das Alltägliche satt haben, solche profilierten, eigenständigen und lebendigen Weine.

Welche Vertriebsschienen wählst Du für Deinen Verkauf? Bist Du auch auf Messen mit dabei?

Thomas Schwarz: Messen haben immer kleineren Stellenwert, ich versuche eher meine Vertriebspartner zu unterstützen, indem ich ihnen vor Ort erkläre, was ich so treibe, und warum, was, wie schmeckt.

Deine Weine werden neben Österreich und Deutschland auch in Skandinavien vertrieben. Dort hat man es mit einem anderen Geschmack zu tun. Welche Weine gehen im Norden gut, welche bei uns?

Thomas Schwarz: Im Norden gehen tatsächlich die puristischen Weine gut, mit denen so mancher Zentraleuropäer nicht so zurande kommt. Das liegt sicher an der komplett unterschiedlichen Ernährung.

Was würdest Du sagen, ist das Schwierigste, um als junger Winzer heute mit seinem Wein durchstarten zu können?

Thomas Schwarz: Genug Selbstvertrauen zu haben, um überhaupt zu starten.

Danke für das Interview!

Fotos 1 und 3: © Volker Gressmann

Foto 2: © S. Jellasitz

 

 

 

 

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