BBB – oder Bienen am Berliner Balkon

Johannes Weber lebt und studiert in Berlin und geht einem Hobby nach, das in der Stadt noch als exo- tisch gilt. Er imkert und seinen Schwarm hat er auf seinem Balkon untergebracht. Der junge Stadtimker erzählt von seinen ersten Erfahrun- gen und macht Interessierten Lust, mit der Stadtimkerei zu beginnen. Beim imkernden Großvater lernte Johannes Weber schon früh den richtigen Umgang mit Bienen kennen. Angesteckt durch Opas Leidenschaft, entwickelte Johannes später den Wunsch, selber Bienen zu halten.

Jahre später begann er damit auf einem Flachdach im Innenhof seines Miethauses. Die Beute dafür hat er nach einer Anleitung zusammengebaut. Da er im darauffolgenden Jahr einen Schwarm erwartete, konstruierte Johannes eine zweite Bienenbehausung. Direkt auf seinem Balkon. Die Beute ist ähnlich einem Blumentrog einfach mit Halterungen angebracht und von ihren Maßen so ausgelegt, dass sie keine allzu große Angriffsfläche für den Wind darstellt. Ein großer abnehmbarer Deckel und längs verlaufende Rahmen ermöglichen für den Imker ein bequemes Handling. Die Bienen haben es sich seit Juni dieses Jahres darin gemütlich gemacht.

Ein friedliches Zusammenleben

Und wohnen die Nachbarn auch noch dort? Keiner der Nachbarn hatte etwas gegen die neuen Mitbewohner. Ganz im Gegenteil: „Das Interesse an der Stadtimkerei und an den Bienen war sehr groß“. Das Wichtigste sei, erklärt Johannes, dass die Leute verstehen, dass Bienen keine Tiere sind, die sie angreifen oder sogar stechen wollen. Eine Koexistenz auf so engem Raum ist mit Bienen wie mit einer Katze oder einem Hund völlig problemlos. Mittlerweile kümmern sich Johannes Nachbarn auch um die Bienen, wenn der Stadtimker mal nicht zu Hause ist. Der Betreuungsaufwand ist relativ gering, da sich Johannes um eine artgerechte Bienenhaltung bemüht. Im Gegensatz zur konventionellen Imkerei, öffnet Johannes die Beute so selten wie möglich, da das für die Bienen puren Stress bedeutet. „Es kommt ja bei mir nicht darauf an, maximalen Honigertrag raus zu holen“, und so fallen Arbeiten wie Schwarmverhinderung weg. Seinen Arbeitsaufwand beziffert er mit rund 15 Stunden im Jahr.

Auch wenn das wenig klingen mag, neben der Liebe zu Bienen ist ein Wissen um die Imkerei sehr wichtig. Johannes hat es durch seinen Großvater vermittelt bekommen und besuchte einen Bienen-Einführungskurs. Den Rest hat er sich selbst beigebracht. Und ausgesprochen wichtig findet Johannes die Vernetzung zu anderen Imkern, die ähnliche Bienenbehausungen verwenden wie er. Beispielsweise auf Balkonbienen gibt es auch einen E-Mail-Verteiler, über diesen der Erfahrungs- und Wissensaustausch schon gut funktioniert.

Es ist wohl ein besonderes Ereignis, seinen ersten Honig zu ernten. In diesem Jahr kam der Honig von seinen Flachdachbienen. Mit welcher Geschmacksrichtung? „Mein Stadthonig hat einen sehr hohen Blütenanteil und besitzt einen kräuterlichen Geschmack. Welche Blüte dies jedoch bewirkt, haben wir noch nicht herausgefunden,“ beschreibt Johannes sein regionales Produkt.

Und wer Johannes ersten Stadthonig als Geschenk erhielt, können Sie sich bestimmt ausmalen. Der Großvater hat sich auf alle Fälle sehr darüber gefreut.

Johannes Weber lebt seit vier Jahren in Berlin und studiert Erneuerbare Energien im letzten Semester. Wenn er keine Bienenbehausungen baut, ist er in einer Gruppe aktiv, die selber ein Windrad aus Rohstoffen herstellt und danach in Berlin aufbauen will.

Photos: Achiv Johannes Weber

Reaktionen auf diesen Beitrag:

Ste Seeger findet auf Google+ diese Idee „echt ganz gut und verwunderlich, dass die Nachbarn wirklich kein Problem damit haben“. Es würde Ste auch interessieren, wie weit der „Dreck von der Straße“ den Honig beeinflusst.

Irmgard Brottrager hat in Graz eine Hobby-Imkerin kennen gelernt. Die Nachbarn, so erzählt sie, hatten allerdings wenig Verständnis für sie.

Bei Brigitta Blume werden Assoziationen an die Süßwarenläden und Bäckereien im Süden geweckt, wo die Bienen ständig über die Auslagen kriechen.

Auf FB hält Michaela Boehm-Bezing das Ganze für einen kompletten Unsinn: Bienen gehören in Imkerhände und nicht auf einen Balkon in der Stadt. Und sie fragt, ob „jemand auch schon an die armen Nachbarn gedacht hat, für die gemütliches Sitzen am Balkon oder Öffnen der Fenster durch Bienenbesuch unmöglich gemacht wird.“

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2 thoughts on “BBB – oder Bienen am Berliner Balkon

  • 14. Juni 2013 um 12:04
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    Über einige Ecken die Balkonbienen und diesen Blog gefunden. Komme aus dem Süden Österreichs, bin Imkerin, gelernt bei meinem Vater – versuche gerade ein Stadtbienenprojekt zu initiieren. Wenn wir alles mögliche exotisches Getier in unseren Wohnungen und auf den Balkonen halten, warum nicht auch Bienen? Finde das mit der Balkonbeute super. Gibt es eine Bauanleitung? Würde mich freuen unseren Erstkontakt zu vertiefen.

    Antwort
    • 14. Juni 2013 um 18:14
      Permalink

      Anleitung habe ich keine, aber ich würde mich direkt an Johannes Weber wenden, http://www.balkonbienen.de . Ich denke, er kann mit guten und vor allem praktischen Tipps weiter helfen. Wenn Du Dein Projekt beginnst, dann freue ich mich, wenn Du mich vom Fortgang informierst. Alles Gute dafür.

      Antwort

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