Wenn der Berg ruft

Wir Städter haben ein romantisches Bild von den Alpen. Heile Landschaft, imposante Berge und authentische Orte sind von der Tourismuswirtschaft immer wieder bemühte Motive. Doch die Alpen haben enorm mit den Folgen des Massentourismus zu kämpfen. Gerade die Zeit der 1950 bis 1980er Jahre, als Goldgräberstimmung herrschte, hinterließ tiefe Spuren: Für viele Alpenbewohner war der Tourismus zu dieser Zeit eine willkommene Chance, aus den ärmlichen Verhältnissen heraus zu kommen. Jedes noch so kleine Zimmer wurde vermietet, teils unkontrollierte Neubauten entstanden und ein schonungsloser Umgang mit der Natur begann.
Die touristischen Zentren in den Alpen entwickelten sich immer mehr zu einer Kulisse für Touristen. Zur Saison von den Gästen bevölkert, außerhalb der Saison eine Totenstadt. Viele Einheimische haben längst ihren Geburtsort verlassen und die Gemeinden sind aufgrund der massiven Abwanderung z. B. mit Rückbauten von Schulen und Kindergärten beschäftigt, denn Gebäude dieser Art werden nicht mehr gebraucht. War zu Beginn der Industrialisierung der Alpenraum ländlich geprägt, so leben heute schon 27% der Alpenbevölkerung in Städten mit bis zu 100.000 Einwohnern.
Wie dieser Wohnraum wieder zurück gewonnen werden kann, zeigt die in Salzburg gerade laufende Ausstellung „Wohn Raum Alpen“. Eva Herrmann und Markus Kuntscher präsentieren 37 Projekte, die die breite Palette des gesamten Alpenraums widerspiegelt: neben dem klassischen Wohnbau werden Beispiele des altersgerechten Wohnens vorgestellt und auch des jungen Wohnens. Das luxuriöse Domizil in den Alpen Monacos findet ebenso Platz wie das Studentenwohnheim am Rand der östlichen Alpen in Laibach.
Nach Meran, München und Zürich macht die Schau nun Halt in Salzburg, anschließend in Saalfelden. Die Projekte zeigen sehr schön, wie zeitgemäßes, nachhaltiges Wohnen in den Alpen aussehen kann. Damit verlorene Räume wieder als Wohn- und Lebensräume ihre Chance bekommen.

Die Ausstellung
Wohn Raum Alpen
von Kunst Meran und der Stiftung der Kammer der Architekten der Provinz Bozen ist noch bis 1. März in Salzburg zu sehen, Initiative Architektur, Großer Saal im Künstlerhaus, Hellbrunner Straße 3

Alle Fotos: Hartmut Nägele
Foto (1): Mehrfamilienhaus Stockenwald, Davos, Zindel Brönnimann Ferrario (Zürich)
Foto (2): Wohnanlage Alberschwende (Vorarlberg, Österreich), k m architektur (Bregenz)
Foto (3): Wohnüberbauung „Giardin“, Samedan (Graubünden, Schweiz) Lazzarini Architekten

Im Alpenraum
leben 14 Millionen Menschen
in 8 Ländern: Monaco, Frankreich, Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Italien und Slowenien.
in 58 politischen Einheiten, in 143 Städten und in 6000 Gemeinden
rund 70 Gebirgsgruppen und 80 Talschaften
60 Millionen Touristen besuchen jährlich ca. 600 Tourismuszentren

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