Guerilla Gardening im Vormarsch

Urban Farming boomt. In Städten wie Paris, London, Berlin, Zürich und auch Wien treten die urbanen Landwirtschaften in der Stadt in unterschiedlichsten Erscheinungsformen auf. Da gibt es Gärten auf Brachflächen, die in erster Linie der Produktion regionaler Lebensmittel dienen, oder Gemeinschaftsgärten, in denen das soziale Miteinander ganz wichtig ist oder Grünflächen, auf denen Kinder spielerisch ihre ersten Pflanzversuche starten.

Pflanzen ohne Lizenz

Eine Form der urbanen Landwirtschaft erinnert mit ihrem Namen allerdings an etwas Verbotenes: Gemeint ist das Guerilla Gardening. Es ist eine sehr junge Bewegung, die ihre Wurzeln in New York der frühen 1970er Jahre hat. Zu Beginn galt Guerilla Gardening als ein Gegenstück zu Beton und versiegelten Flächen, erste Gärten wurden angelegt und gepflegt. Heute wird in New York Guerilla Gardening in der legalen Form des Community Gardenings umgesetzt und ist in den Köpfen der Bevölkerung fixer Bestandteil.
New York nimmt eine Vorreiterrolle beim „Pflanzen ohne Lizenz“ ein. Was sich seit den 1970er Jahren bei den Guerilla Gardeners verändert hat und wie die Gardeners innerhalb eines Städtevergleichs von NewYork, Berlin und Wien dastehen, hat eine junge Forschergruppe der BOKU Wien nun in ihrem Bericht publiziert.
Berlin kann schon auf eine gewisse „Vergangenheit“ zurückblicken: Guerilla Gardening wird vor allem in Form von gemeinsam bewirtschafteten Gärten betrieben. Die Vernetzung erfolgt über Blogs und Internetforen. Als Vernetzungsstelle dient der „Allmende Kontor“ auf dem Tempelhofer Feld. Mit der Aktion „GrüntMit“ werden Baumscheiben vor allem am Prenzlauer Berg begrünt. Damit soll das Natur- und Umweltbewusstsein geschärft und die Schaffung von Grünflächen forciert werden. Ein anderes Projekt ist der „RosaRose“-Garten, der in den ersten Jahren seines Bestehens illegal war.

Wien steckt in Kinderschuhen

Im Vergleich zu New York und Berlin ist in Wien das Guerilla Gardening eine sehr junge Bewegung. Das schlägt sich z. B. darin nieder, dass viele der Befragten den Begriff Guerilla Gardening gar nicht oder erst seit kurzem kennen. Die Studienautoren prognostizieren, dass die Bevölkerung in den kommenden Jahren wesentlich bewusster auf Guerilla Gardening reagiert und an Aktionen selbst teilnehmen wird. Erklären lässt sich das dadurch, dass Guerilla Gardener selbst bestrebt sind, die Partizipation zu erhöhen und der Bevölkerung das Naturerlebnis näher zu bringen. Die Entwicklung in Wien geht jedenfalls – so die Autoren – in Richtung Community Gardening und Interkulturelle Gärten.

Schade eigentlich, ich hätte auch gerne mal was Verbotenes gemacht, z. B. eine Seed-Bombe gebaut. Das ist eine Erd/Ton/Samen-Kugel, die Beschreibung des Zusammenbaus kann auf http://ggardening.blogsport.eu nachgelesen werden. Die „Bomben“ können leicht in der Stadt verteilt werden mit dem Ziel, dass da und dort Pflanzen aufgehen. Ein paar Monate später kann geerntet werden. Wenn nur alle Guerilla-Übergriffe so friedvoll endeten.

Die Studie: Guerilla Gardening; Die (Rück)Eroberung städtischer Freiräume durch urbanes Gärtnern, BOKU-Wien
Die Autoren: Daniel Böhm, Dominik Stadler, Georg Riegler, Isabelle Schützenberger, Lena Simperler, Lisa Praunshofer, Marina Renhardt, Nicole Auer, Raphael Zwiauer, Sandra Probus, Sonja Kaufmann.
Die Betreuerin: Dr. Christa Schafellner

Grafik: Anleitung aus New York der frühen 1970er Jahre, bei der Christbaumkugeln oder Luftballons befüllt wurden. Heute gibt’s ökologischere Varianten, um Seedbombs herzustellen.

Photo: Dariush Onghaie
Wiener Guerilla-Gruppe sitzt im Beet, wo sie vor drei Monaten Sprösslinge gesetzt hat.

Ein Gedanke zu „Guerilla Gardening im Vormarsch

  • 12. November 2016 um 22:22
    Permalink

    Liebe Guerilla-Gärtner,
    Ihr gefallt mir!!!!! –
    Im Beet – auf ueberland.eu.
    So genau stelle ich mir die ästhetische Auffrischung von toten Verkehrsinseln, hässlichem Straßenbegleitgrün und ähnlichen “Leerflächen” in Städten vor.

    mfg,
    Sibylle Eßer M.A.

    Deutsche Bundesgartenschau-
    Gesellschaft mbH (DBG)
    Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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    Antwort

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