Wie Market Gardening und Agroforst zusammenpassen

Market Gardening und Agroforst

Market Gardening und Agroforst, diese beiden Begriffe scheinen derzeit in aller Munde zu sein. In seinem Buch erzählt Leon Schleep nicht nur von der Geschichte und den Vorteilen dieser beiden Anbaumethoden, sondern gibt anhand von eigenen Erfahrungen und Interviews mit anderen Marktgärtnerei-Betrieben viele detailreiche praktische Tipps, wie sich diese gut kombinieren lassen. Ein Beitrag von Katharina Hoff-Powell.

Eines vorweg: Wer auf der Suche nach einer regenerativen Alternative zur gängigen Praxis in der Landwirtschaft ist, wird hier fündig. Immerhin sind die Herausforderungen auf globaler Ebene enorm. Der Klimawandel, das Artensterben, Hungerkrisen, das Höfe-Sterben. Umso verwunderlicher ist es, dass die Lösung all dieser Problemfelder so einfach zu sein scheint.

Alles für den Kompost: Market Gardening

Das Konzept der Marktgärtnerei ist nicht neu. Es entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Paris. In den äußeren Bezirken der Metropole gab es damals eine florierende Gärtner*innenkultur, die sich eine wertvolle lokale Ressource zu Nutze machte: Pferdemist. Diesen gab es vor der Einführung des Automobils im wahrsten Sinn des Wortes zuhauf, und mit diesem Input und einer ausgeklügelten Mischkultur war der Ertrag mit 4-8 Ernten pro Jahr so hoch, dass nicht nur die Pariser*innen versorgt werden konnten, sondern Überschüsse sogar bis nach England exportiert wurden.

Market Gardening
Autor Leon Schleep

Leider verschwand mit den Pferden auch die Grundlage für den städtischen Gemüseanbau, aber die Idee einer Mischkultur auf kleiner Fläche war geboren und wurde andernorts wieder aufgegriffen, unter anderem von Alan Chadwick und später John Jeavons, der den biointensiven 8-Punkte-Plan für mehr Produktivität im Garten formulierte. Dieser wird auch von Schleep beschrieben und fußt auf dem Gedanken, das Bodenleben durch Kompost zu fördern und den Boden zu lockern, statt zu pflügen. Dann werden Mischkulturen aus samenfestem Saatgut möglichst dicht gepflanzt. Die Kulturen sollen eine hohe Kalorien- und Kohlenstoffeffizienz aufweisen, also kalorisch wertvoll sein und sowohl als Nahrung, als auch zur Kompostherstellung durch Pflanzenreste dienen. Kurzum: Es ist ein ganzheitliches Anbausystem, das ein bisschen an die Grundsätze der Permakultur erinnert. 

Agroforst oder Bäume sind mehr als Stickstofffixierer und Schattenspender

Wer hätte gedacht, dass eine Streuobstwiese ein Beispiel für ein Agroforstsystem in unseren Breiten ist?

Bäume spenden nicht nur Schatten und beugen der Bodenerosion vor, sie versorgen je nach Sorte auch Insekten, Vögel und Menschen mit Nahrung.  Durch die Begrünung möglichst vieler Ebenen können sie mehr Sonnenenergie einfangen und zu Biomasse umwandeln, also den Gesamtertrag für die Gärtner*in steigern. Andererseits konkurrieren die Gehölze und das Gemüse um Licht, Wasser und Nährstoffe, darum ist ein gut durchdachtes Design das Um und Auf.

Market Gardening

In einem Agroforstsystem gibt es mehrere Elemente, die sich ergänzen: Gehölze, Ackerkulturen und optional auch Tiere. Schleep geht auf verschiedene Arten von Agroforstsystemen in den gemäßigten Breiten ein und gibt auch Gestaltungstipps zur Wahl der Bäume, Sträucher oder Hecken, sowie zu Reihenabstand und Baumhöhe. Sein Fazit: Market Gardening und Agroforst passen gut zusammen, es ist nur eine Frage der richtigen Planung. Eine gute Kombination beider Anbausysteme birgt die Möglichkeit, dem Verlust der Biodiversität und dem Artensterben und auch der Klimakrise etwas entgegenzusetzen. Ein weiterer Grund, Agroforst in den Marktgarten zu integrieren: Bäume sehen einfach hübsch aus!

Inspirierende Lektüre

Leon Schleeps Buch ist eine gelungene Mischung aus theoretischem Hintergrundwissen und interessanten Praxisbeispielen, vor allem aber nicht nur in Form von Interviews mit Marktgärtner*innen in unterschiedlichen Klimazonen und Kontexten. Seine Theorien fußen auf solider Recherche und er verweist auf viele unterschiedliche Quellen wie Studien, Bücher und Filme. Das Buch ist mitreißend geschrieben und erzeugt ein Kribbeln unter den Fingernägeln gepaart mit dem Wunsch, es gleich selbst mit der Marktgärtnerei zu versuchen.

Market Gardening und Agroforst

Leon Schleep
Market Gardening & Agroforst. Von Gemüse und Bäumen, Grundlagen und Vorbildern, oder: Wie du mit Bäumen deinen Gemüsebetrieb super resilient machst.
Löwenzahn Verlag, 2022

Alle Fotos: ©Fabian Weiss

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