Ein Imker ohne Hut und Tadel

Bienen Imker Roland Berger

Die Überländerin war zu Besuch im Schaugarten von apis-z, einer Demeter Imkerei in Klosterneuburg (Niederösterreich). Biologe und Imkermeister Roland Berger hat durch den Schaugarten geführt und eines klar auf den Punkt gebracht: Bienen sind fantastische Wesen.

„Den steilen Weg oder den ganz steilen Weg?“ fragt Roland Berger die Gruppe, die an diesem Freitagnachmittag einen Spaziergang zu den Bienen unternimmt. Die Kinder der Besuchergruppe entscheiden spontan. Klar, wir nehmen den ganz steilen Weg. Nach kurzem Anstieg führt der Weg am Ende durch eine Gärtnerei. Die dazwischen angelegten Blühstreifen aus vielfältigen Pflanzen deuten darauf hin, dass es hier Bienen richtig gut haben. Und schon erreichen wir eine saftig grüne Wiese, den Schaugarten. Hier sind unterschiedliche Bienenstöcke aufgestellt, die die Vielfalt des Imkerns zeigen.

Dunkle Farben sind Zielscheibe

Aber zunächst zündet Roland Berger seinen Smoker an. Er erzählt uns, dass Rauch für die Bienen Feuer bedeutet und sie sich deswegen im Stock zurückziehen. Diese Momente kann der Imker gut nützen, um den Stock zu kontrollieren. Roland Berger trägt keine Imkerausrüstung; gerade im Sommer findet er den Schleier vor dem Gesicht lästig und stickig. Obwohl das Weiß der Imkerausrüstung für die Tiere Gelassenheit verströmt, bei dunklen Farben hingegen können sie aggressiver reagieren. Als er einmal seine dunkle Sonnenbrille aufhatte, wurde er förmlich zur Zielscheibe der Insekten.

Aber mit einzelnen Bienenstichen muss ein Imker ohnehin rechnen. Als Soforthilfe eignet sich Huflattich sowie Spitzwegerich und Roland Berger weiß, wo diese schnelle Apotheke in nächster Nähe wächst.

Und schon geht es zum ersten Bienenstock. Es ist ein ganzer Teil eines Baumstammes, der die Anfänge des Imkerns vor Hunderten von Jahren darstellt. Roland Berger erzählt uns, dass die Bienen in Hohlräumen von Bäumen ihre Waben errichteten. Die Menschen schnitten dann die betreffenden Baumstücke heraus und brachten sie zu einem Standort in der Nähe ihres Hauses. Das war der Anfang der Klotzbeute.

Ruhebedürftiger Stock

Bevor es zum nächsten Stock geht, erfahren wir, dass Bienen in ihrem Stock im Winter Ruhe brauchen. So stellt z. B. ein am Bienenkorb streifender Ast eine Dauerbelastung dar. Oder eine Maus, die sich Zutritt in den Korb verschafft hat, kann einen ganzen Bienenstock ernsthaft in Gefahr bringen. Die ständigen Bewegungen des Nagetiers können für die Insekten sogar tödlich sein, weil sie keine Ruhe finden und dadurch mehr Futter (Honig) brauchen.

Beim nächsten Bienenkorb können sich die Bienen ihre Waben frei bauen; kein Holzrahmen oder Draht gibt den Wabenkörper vor. Wie auch bei den anderen Stöcken im Schaugarten wird auch hier kein Honig entnommen, alles gehört den Bienen. Roland Berger beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit den Insekten und seine reichen Erfahrungen werden bei diesem Spaziergang deutlich spürbar. Der promovierte Biologie führt gemeinsam mit Wolfgang Schmidt die Demeter Imkerei apis-z. Berger macht Vorträge, hält Workshops, verkauft Bienenprodukte und beschäftigt sich mit der Apitherapie. Das ist die Anwendung von Bienenprodukten wie Honig, Bienengift, Propolis, Pollen, Gelèe Royale, Bienenwachs und Bienenluft zur Vorbeugung und Heilung von Krankheiten.

Drohnen auf der Kinderhand

Sein Wissen teilt Berger mit Alt und Jung. Für die Jüngsten hat er an diesem Nachmittag eine Überraschung parat. Aus den Waben nimmt er die Drohnen, also die männlichen Bienen, jene, die nicht stechen können. Berger fragt die Kinder: „Wer möchte von Euch eine Biene auf die Hand?“. Einige Mutige melden sich und bekommen eine auf ihre Hand gesetzt. Sie freuen sich über das leise Kribbeln und darüber, dass sie einer Biene auf sicherem Weg so nahe kommen.

Als letzte Station erwartet uns ein Glasschaukasten, der mit Holzrahmen vor äußeren Einflüssen geschützt ist. Roland Berger öffnet die Rahmen und wir können durch das Glas den Tausenden von Bienen bei ihrer Arbeit zusehen. „Findet jemand von Euch die Königin?, fragt Berger. Und tatsächlich, nach kurzer Zeit findet eine Teilnehmerin die Königin. Sie ist unmarkiert wie alle Königinnen von Roland Berger. Einzig ihre Größe verrät ihre einzigartige Stellung. Wir werden sogar Zeuge, wie sie ein Ei ablegt. Und dann noch eines. Pro Tag sind es bis zu 2000 (!) Eier.

Es ist ein besonderes Ereignis an diesem Nachmittag, an dem wir teilhaben können und zugleich ein krönender Abschluss.

über_Land

Der Blog über_Land beschäftigt sich mit innovativer Landwirtschaft in der Stadt und auf dem Land. Themen wie Urban Farming, Vertical Farming, Aquaponic stehen genauso im Vordergrund. Der Blog geht aber auch der Frage nach, wie Gemeinden für ihre Bewohnerinnen und Bewohner neue, qualitätsvolle Konzepte entwickeln, wo Wohnen, Leben und Arbeiten möglich wird. Der Blog ist seit 2011 online. Gründerin und Herausgeberin ist Barbara Kanzian. Erfahren Sie mehr über sie auf ihrer Unternehmens-Website.

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