Im Müll statt auf dem Teller

Im Müll statt auf dem TellerIm Müll statt auf dem Teller landet bei uns jede Menge von Lebensmitteln. Und jeder von uns hat schon Lebensmittel weggeworfen. Einige haben dabei eine innere Barriere zu überwinden, vor allem, wenn es um Brot geht. Brot wirft sich nicht so einfach weg. Brot ist wohl eines der existenziellsten Lebensmittel und bekommt durch die Religion noch zusätzliche Bedeutung.
Wohnen Sie eigentlich in der Nähe einer Bäckerei und haben Sie schon mal zugesehen, wenn das alte Gebäck in riesige Müllbehälter geworfen und abtransportiert wird? Da wird es einem schon mulmig zumute. Nicht umsonst beginnt Erwin Wagenhofers Film „We feed the World“ mit der Szene, wo das Brot auf die Müllhalde gekippt wird „…es passiert immer wieder, dass alte Leute stehen bleiben und es nicht glauben können, was wir hier machen…“ (aus „We feed the world“).


1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel werden im Jahr weggeworfen.

Das ist rund ein Drittel der für den menschlichen Konsum hergestellten Lebensmittel, so das Ergebnis der Studie „Cutting food waste to feed the world“ von der FAO (Food and Agriculture Organizatio of the United Nations). Allein in Deutschland sind es jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen, bis zu 15 Prozent werden noch in der Originalverpackung entsorgt. Das größte Problem liegt im fehlerhaften Verbraucherverhalten, „Es wird deutlich zu viel eingekauft“, erklärt Studienautor Ulf Sonesson vom Swedish Institut for Food and Biotechnology. So kommen auf einen Verbraucher eines Industrielandes durchschnittlich zwischen 95 bis 115 Kilogramm entsorgte Lebensmittel pro Jahr.
Auch in den Schwellenländern verderben große Mengen an Nahrungsmitteln. Technisch veraltete Erntemaschinen, eine fehlende Kühlung und eine falsche Lagerung seien die Gründe, warum die sogenannten Nachernteverluste mit rund 40 Prozent beziffert werden.
Während es in den Schwellenländern darum geht, vor allem technische infrastrukturelle Einrichtungen zu verbessern, gilt es in unserer Überfluss- und Wegwerfgesellschaft unsere Verschwendung in den Griff zu bekommen. Sind Einkaufszettel allein mit vorher klar definierten Produkten wie aus dem deutschen Lebensmittelministerium zu hören, der Weg zum Maßvollen?

Containern in Nacht- und Nebelaktionen

Eine völlige Gegenbewegung, entstanden in den USA ist der Freeganismus, abgeleitet von free und vegan. Die Freeganer „containern“ in Nacht und Nebelaktionen, kramen aus Mülltonnen hinter Supermärkten Lebensmittel hervor, die kleine Makel aufweisen, oder deren Verpackungen kaputt geworden sind, aber der Inhalt noch völlig in Ordnung. Oft werfen Händler ja eine ganze Steige voll Obst weg, obwohl nur ein Stück schimmelt. Die Freeganer sammeln die Lebensmittel nicht weil sie arm sind, sondern um ein klares politisches Zeichen gegen das Konsumverhalten in Industrieländern zu setzen. Sie finden es unappetitlich, dass diese noch genießbaren Massen im Müll landen. Erwischen dürfen sie sich dabei nicht lassen, denn sie begehen damit Hausfriedensbruch.

Ethik und Lebensmittel

Früher gab es Fleischberge und Milchseen, es wurden viel zu viel Lebensmittel produziert. Obwohl es heute an Lebensmitteln mangelt, die Preise so hoch wie noch nie sind; hat die Wertschöpfung für das Lebensmittel nicht zugenommen. Gründe dafür liegen wohl im fehlenden Wissen über Lebensmittel, über deren Produktion, Lagerung oder Haltbarkeit. Vielleicht müsste man ein neues verpflichtendes Schulfach einführen mit dem Arbeitstitel: „Ethik und Lebensmittel“.

Photo: Allegro Film, Bild aus „We feed the World“

4 Gedanken zu „Im Müll statt auf dem Teller

  • 13. Juni 2011 um 08:05
    Permalink

    Zu Thema Müll (Essen wegwerfen)
    Es ist eine Sauerei sondergleichen das so viele Lebensmittel auf den Müll landen,
    warscheinlich sind sie noch zu billig,
    mfg.Hubert

    Antwort
    • 13. Juni 2011 um 19:46
      Permalink

      Hallo Hubert, ich glaube nicht, dass unsere Lebensmittel zu billig sind. Ich denke aber, dass viele Leute gegenüber Lebensmittel keine Wertschätzung mehr haben, und sie auch deswegen leichtfertig wegwerfen. Ich glaube nicht, dass das durch den Preis steuerbar ist, sondern vielmehr: Wie können Menschen Lebensmittel wieder wert schätzen? lg Barbara

      Antwort
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