Auf dem Weg zum Selbstversorger

ueberland.2Beate und Herbert Schachner lebten in der Stadt. Als die Kinder zur Welt kamen, zog es die Familie auf’s Land. Heute bewirtschaften die Schachners einen Biohof, können sich bei Gemüse und Obst selbst versorgen und stellen ihren Grund und Boden Permakultur-Interessierten zur Verfügung. Mit der Landwirtschaft hatten sie anfangs gar nichts am Hut: Beate und Herbert Schachner sind gelernte Physiotherapeuten und bewohnten in Wels (Oberösterreich) eine Stadtwohnung. Dann kamen die Kinder zur Welt und der Wunsch, ins Grüne zu ziehen, wurde immer größer. So entschlossen sie sich, die ehemalige Landwirtschaft von Herberts Großeltern zu übernehmen. Der Biohof Ortner in Eggendorf (Traunkreis) zählt stolze 15 Hektar, davon sind 9 Hektar Ackerfläche, auf der die Schachners heute Speise- und Futtergetreide anbauen. Vor allem Weizen und Dinkel – Zutaten, die Beate gut für ihre Brotspezialitäten gebrauchen kann.

ueberland.6Auch beim Gemüse und Obst sind die „Neobauern“ bereits Selbstversorger. Beim Fleisch werden sie es schön langsam. Auf einem großzügigen Freiland-Areal halten sie die in Österreich seltenen Turopolje-Schweine. Beraten werden sie dabei von Karl Schardax, der nicht nur über seltene Schweinerassen eine Menge weiß.

ueberland.3Das schöne Anwesen der Schachners genießen auch die hofeigenen Puten in Form von ausgedehnten Spaziergängen. Die Schachners haben die Tiere von Freunden übernommen. Es ist eine Sorte, die sich noch selbst vermehren kann, was bei den meisten Hybrid-Sorten nur mehr auf künstlichem Weg funktioniert. „Und diese Henne ist eine, die sich ganz besonders um ihre Küken kümmert“, Beate deutet auf das Gras der alten Streuobstwiese, wo das Federvieh besonders gern anzutreffen ist. Im Herbst sind hier die Bäume prall voll mit Obst. Die Früchte werden im alten, riesigen Wirtschaftgebäude zu Säften und Marmeladen verarbeitet.

Das Netswerk

Beate Schachner begann vor vier Jahren beim Netswerk, einem regionalen Vermarkter aktiv zu werden. „Einfach aus dem Wunsch heraus zu wissen, woher die Lebensmittel kommen“, erzählt sie. Dabei können online die Lebensmittel bestellt und in kleinen Läden in verschiedenen Ortschaften der Umgebung abgeholt werden. Ca. 30 Bio-Bauern aus der Region liefern ihre Lebensmittel. Eng wird es aber bei Milchprodukten: „Es gibt hier nur mehr einen einzigen Bio-Milchbetrieb“, erzählt Beate. Mit dem vermehrten Maisanbau hat in dieser Region die Schweinezucht überhand genommen.ueberland.5

Die Vorteile des Netswerkes liegen auf der Hand: Die Bauern selbst bestimmen den Preis, brauchen sich jedoch nicht um die eigene Vermarktung zu kümmern. Der Kunde wird dabei zum Produzenten gebracht. „Ein Brot mit einem Gesicht dahinter – dabei tut man sich schwer, es wegzuwerfen“, so Beate. Ein attraktives Rahmenprogramm wie Kochkurse oder Exkursionen vertiefen die Beziehung.

ueberland.4Ihren eigenen Hof bieten die Schachners immer wieder Permakultur-Interessierten zum gemeinsamen Think Tank an. Im August fand beispiespielsweise der Permakultur-Designkurs statt. In diesem zweiwöchigen Lehrgang ging es darum, gemeinsam mit Permakultur-Designer Bernhard Gruber (Neuhofen an der Krems) und dem Austro-Amerikaner Jeffrey Reidl zukunftsfähige Lebensräume mit Permakultur zu planen.

Unter den Teilnehmern fand sich auch das Schauspielerehepaar Lade (bekannt aus „Tatort“ und „Komm süßer Tot“), das in Berlin ihren Hausgarten für Mensch, Tier und Pflanzen plant.

Der Biohof Ortner könnte als Kursort nicht idealer gewählt werden. Es ist ein Ort, an dem das zukunftsfähige Haushalten der Schachners mit Boden, Pflanzen, Tieren und Natur spürbar und erlebbar ist.

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One thought on “Auf dem Weg zum Selbstversorger

  • 1. September 2013 um 20:07
    Permalink

    Toller Artikel! Ja, auf Selbstversorger arbeite ich auch hin – aber mit meinen 500 kg Marillen komme ich noch nicht weit :) Aber unser Tauschnetzwerk wächst und wächst …
    Liebe Grüße
    Elis

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