Weniger ist manchmal mehr

Anton Dapont hat sich vor acht Jahren seinen Traum vom eigenen Bauernhof erfüllt. Auch wenn seine Bio-Landwirt-schaft im Vergleich zu anderen deutschen Betrieben klein ist – Dapont hat seine Nische am Markt gefunden, die ihm auch wirtschaftliches Überleben sichert. Herr Dapont, wie kamen Sie zur Landwirtschaft?

Anton Dapont: Ich bin auf dem Land, in Vorarlberg, aufgewachsen und wir hatten damals Kaninchen und Hühner. Allerdings war ich als Junge gerne auf einem Bauernhof in der Nähe und half dort beim Heuen oder auch mal im Stall mit. Dafür durfte ich manchmal das Arbeitspferd führen oder auch mal drauf sitzen. So bekam ich den Bezug zur Landwirtschaft und wollte auch mal einen Bauernhof haben. Den Wunsch habe ich mir dann 2004 mit dem Kauf des heutigen Biohof-Hausberg erfüllt.

Sie arbeiten die Woche über in München, haben aber auf Ihrem Hof Schweine, Rinder und Hühner. Wie schaffen Sie das und wer hilft Ihnen dabei?

Anton Dapont: Selbstverständlich wohnt auch unter der Woche jemand auf dem Hof, der auf die Tiere schaut und sie versorgt und auf den ich mich 100% verlassen kann. Gibt es mal ein Problem, dann fahre ich kurzfristig hierher. Alle größeren oder schwereren Arbeiten verrichte ich am Wochenende bzw. nehme ich mal einen Tag Urlaub. Es ist ein bisschen Organisation, aber es lässt sich alles so vorbereiten, dass der Aufwand unter der Woche nicht all zu groß ist. Speziell durch die alten, widerstandfähigen Rassen und der natürlichen Haltung lässt sich der Aufwand in Grenzen halten. Wichtig ist, dass vor allem die Tiere betreut werden. Auch die Nachbarn und Freunde sind sehr hilfsbereit und haben mir schon oft geholfen.

Sie halten z. B. Aubrac-Rinder oder Turopolje-Schweine, die nur mehr selten vorkommen. Was sind die Vorzüge dieser alten Rassen?

Anton Dapont: Neben ihrer Widerstandsfähigkeit haben sie Qualitäten, die manche neue Rasse nicht mehr hat, auch wenn sie länger brauchen bis sie ausgewachsen sind. Einige dieser Qualitäten sind gute Futterverwerter, genügsam, problemlose Geburten etc.

Sie halten Ihre Tiere im Freiland. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Anton Dapont: Sehr gute. Die Tiere bewegen sich in einer natürlichen Umgebung, haben dadurch keinen Stress und bilden Familiengruppen. Die Ferkel wachsen auch in der Familiengruppe auf und sind immer beschäftigt. Ich habe bis jetzt noch keinen einzigen Fall gehabt, dass ein Ferkel von der Sau erdrückt wurde oder ähnliches. Der einzige Nachteil besteht darin, dass man sehr viel Fläche braucht, die leider nicht immer zur Verfügung steht. Dadurch beschränkt sich die Freilandhaltung auf eine eher geringere Anzahl an Tieren. Am Anfang ist auch eine größere Investition nötig um alle Vorschriften der Freilandhaltung einzuhalten, wie z.B. die doppelte Umzäunung.

Sie bieten Tierleasing an: Was genau ist das?

Anton Dapont: Tierleasing ist im Grunde nichts anderes als „Lohnmästung“. Wobei die Tiere nicht gemästet werden. Der Kunde kauft das Tier, entweder Kalb oder Ferkel in einem bestimmten Alter. Durch einen Vertrag ist sichergestellt, dass der Kunde nun Besitzer des Tieres ist, das eindeutig gekennzeichnet ist. Danach zahlt der Kunde ein monatliches Futtergeld, bis es geschlachtet wird. Der Kunde hat das Recht sein eigenes Tier zu besuchen etc. er bestimmt den Schlachttermin und erhält sein eigenes Biofleisch, genau wissend mit was gefüttert und wie es gehalten wurde. Ich denke, dass es gerade in der heutigen Zeit nicht unwichtig ist, zu wissen, was man konsumiert. Der Vorteil für den Landwirt besteht darin, dass die Vermarktung schon von Anfang an bereits geregelt ist.

Tierleasing eignet sich besonders gut für Nebenerwerbsbauern (siehe auch Kasten) wie Sie einer sind. Neben Ihrem Job in München, Ihrer Tätigkeit als Bauer, haben Sie

auch den Hausberghof unter Verwendung alter natürlicher Baustoffe wie Lehmputz, Altholz liebevoll renoviert. Wird man jemals mit so einer großen Bauaufgabe fertig?

Anton Dapont: Ich denke, das ist eine Lebensaufgabe die nie endet. Dazu muss man die richtige Einstellung und die Liebe zum Alten, erhaltenswertem haben, sich über Details freuen können, über die Schönheit die nicht immer nur zweckgebunden ist. Allerdings wird man auch durch ein Wohnklima belohnt, das in einem Neubau kaum zu finden ist.

Beheizt wird das Wohnhaus mit einer Hackschnitzelheizung, die Sie mit Miscanthus beschicken. Das ist eine Heizform, die noch nicht weit verbreitet ist. Was sind denn die Vorzüge dieser Heizung?

Anton Dapont: Erstens sind sie total unabhängig von den Preisanstiegen bei Öl, Gas oder auch sonstigen Brennstoffen. Zweitens heizen sie damit klimaneutral und mit einem nachwachsenden Rohstoff und drittens haben sie trotzdem eine vollautomatische Heizung.

Sie bauen selbst Miscanthus an. Wie viel Pflege braucht Miscanthus auf dem Acker?

 

Anton Dapont: Gar keine. Einmal gepflanzt, wächst es immer wieder nach und kann bis zu 20 Jahre geerntet werden.

Wie groß ist dabei die Fläche, wie viel Ertrag haben Sie jährlich? Wie lange können Sie damit heizen?

 

Anton Dapont: Ich selber habe eine Fläche von ca. 1,2 ha Miscanthus angebaut. Damit heize ich den kompletten Hof samt einigen Nebengebäuden wie z. B. eine zusätzlichen Wohnung im Troadkasten und die Werkstatt. Zudem verwende ich einen Teilertrag der Miscanthusernte als Einstreu für die Tiere. Miscanthus ist saugfähiger als Stroh und hat auch als Tiereinstreu hervorragende Eigenschaften.

Das Erntegut von Miscanthus kann dann einfach in Ihrer Heizung verbrannt oder muss es noch bearbeitet werden?

Anton Dapont: Miscanthus wird im März, Anfang April, bevor es anfängt neu auszutreiben, mit einem Maishäcksler geerntet und kann direkt in dieser gehäckselten Form, ohne jede weitere Bearbeitung mit einer Hackschnitzelheizung verbrannt werden.

Wie schaut es denn mit dem Energiegehalt von Miscanthus aus?

 

Anton Dapont: 1 Hektar Miscanthus entspricht in etwa 8.000 l Heizöl.

Ist diese Heizform preiswerter als herkömmliche?

Anton Dapont: Abgesehen von einer Anfangsinvestition von ca. 2.000 Euro pro Hektar für die Pflanzung von Miscanthus entstehen nur die reinen Erntekosten, das sind jährlich ca. 500 bis 700 Euro. Umgerechnet auf 20 Jahre sind das in etwa 600 bis 800 Euro jährliche Heizungskosten.

Gibt’s auch Nachteile von Miscanthus?

Anton Dapont: Ja, der Nachteil ist natürlich der Platzbedarf für die Lagerung der Ernte, da Miscanthus im Vergleich zu normalen Hackschnitzel ein wesentlich größeres Volumen besitzt. Es rechnet sich also nur, wenn der Platzbedarf bereits gegeben ist.

Sie haben sich Ihren Traum einer Landwirtschaft erfüllt. Was bedeutet Ihnen Ihr Hof, Ihre Tiere?

Anton Dapont: Sehr viel. Wie schon gesagt, es ist für mich eine Lebensaufgabe und auch ein Ausgleich, versuchend möglichst naturnah und unabhängig zu leben, mit dem nötigen Respekt gegenüber der Natur und auch den Tieren. Aber auch eine Aufgabe, mit einer vergleichsweisen kleinen Bio-Landwirtschaft Nischen am Markt zu finden, um auch wirtschaftlich davon leben zu können. Weniger ist manchmal mehr.

Ich danke für das Gespräch.

Miscanthus

zu Deutsch auch „Stielblütengras“ ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Paceae (Süßgräser) und umfasst 14 bis 20 Arten. Miscanthus kommt häufig in feuchten Wiesen und Sümpfen von Afrika bis Ostasien vor und einige Arten finden sich auch in China und Japan. Das Chinaschilf wird vor allem als Zierpflanze genutzt, das Riesen-Chinaschilf ist eine bedeutende Energiepflanze. Quelle: Wikipedia

Foto: miya m.

SchweineLeasing – was ist das?

Schweineleasing ist kein Leasing im rechtlichen Sinn, sondern es beruht auf der alten Tradition der Lohnmast, „für jemand ein Schwein fett zu machen“.

Aus Konsumentensicht: Der Konsument erhält dabei ein eigenes Ferkel, das zur weiteren Aufzucht tiergerecht in der Familiengruppe verbleibt. Für Fütterung und Pflege wird monatlich ein bestimmter Betrag ausgemacht. Wenn das Schwein ausgewachsen ist, bestimmt der Konsument, zu welchen Bedingungen das Tier geschlachtet wird und wie das Fleisch geliefert werden soll.

Aus Landwirte-Sicht: Schweineleasing in Familiengruppen ist ein Hobby – bestenfalls ein kleiner Nebenerwerb, um z. B. vor dem Aussterben bedrohte Schweinerassen zu züchten. Hier findet sich eine Liste mit Adressen von deutschen Bauern, die Schweineleasing anbieten. Der Eintrag ist kostenlos, entscheidend dafür sind artgerechte Haltungsbedingungen.

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3 thoughts on “Weniger ist manchmal mehr

  • 5. Dezember 2012 um 09:55
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    Toller Beitrag. Erstaunlich was alles geht, wenn man daran glaubt. Solltest du Tier“leasing“Bauern in der nähe von Köln kennen, würde ich mich sehr über eine Info freuen.
    Grüße aus dem winterlichen Horrorgarten
    von Anja

    Antwort
    • 5. Dezember 2012 um 10:16
      Permalink

      Liebe Anja, ich mache mich mal auf die Recherche …

      Antwort
      • 10. Dezember 2012 um 14:41
        Permalink

        Liebe Anja, ich habe mich in Insider-Kreisen umgehört und da ging hervor, dass es in NRW Bestrebungen gab, Freilandhaltungen zu verbieten, weil die Gefahr für Schweinepest zu groß war. Das soll sich zwar mittlerweile entspannt haben, aber Adressen sind keine bekannt, die so etwas anbieten.

        Antwort

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