Genug ernten, um davon leben zu können

markus.3Als Susanne und Markus auf’s Land zogen, wollten sie ein wenig Gemüse anbauen. Mittlerweile träumt Markus davon, täglich auf dem Traktor zu sitzen und soviel zu ernten, um davon leben zu können. Ja, und Susanne teilt Haus und Hof bereits mit zwei Katzen, neun Wachteln und hoffentlich bald auch schon mit Ziegen. Wie schaut ihr Weg von semiautark zum Selbstversorger aus?  

Wie hat Euer Leben am Land begonnen?

Markus: Vor ca. zwei Jahren haben wir uns ein altes Haus in Winningen an der schönen Mosel gekauft und renoviert. Leider haben wir hier keinen Garten. Schließlich konnte ich Susanne dazu überreden ein kleines Grundstück zu pachten, um ein wenig Gemüse anzubauen. Das Grundstück ist ca. 500 qm groß. Lediglich fünf Meter breit und 100 Meter lang. Die Erde ist hart und steinig. Es hat wirklich viel Mühe gekostet, die ersten 100 qm Gartenland umzugraben. Wir haben das Grundstück teilweise eingezäunt, damit die Touristen uns nicht die Möhren klauen. Der weitaus größere Teil ist nicht eingezäunt. Auf diesem hatten wir bisher die einfacheren Pflanzen wie Kartoffeln, Bohnen oder Topinambur gepflanzt.

Ihr seid also auf dem besten Weg dazu, Selbstversorger zu werden?

Markus: Bisher habe ich gar nicht den Anspruch ein richtiger Selbstversorger zu sein oder zu werden. Ich muss zugeben, dass ich mich gerne jeden Tag auf einem Traktor sehen würde wie ich die Kartoffeln aus der Erde ziehe, den ganzen Tag unter freiem Himmel stehe und genug ernte, um uns davon zu ernähren. Ich möchte für mich selber sorgen können und finde es einfach wunderschön die eigene Ernte nach Hause zu bringen und daraus etwas Frisches zu kochen. Es ist zwar ein abgedroschener Spruch, aber das Gemüse aus dem eigenen Garten schmeckt einfach besser.

Susanne: Das halte ich für einen abgedroschenen Spruch, zudem stimmt er auch nicht immer (schmunzelt). Unsere Tomaten waren letztes Jahr die reinsten Wasserbomben, sie haben einfach nicht genug Sonne abbekommen. Die Arbeit im Garten bedeutet für mich eher ein Stück Selbstständigkeit: Eigentlich ist es ja vorgesehen, dass man arbeiten geht, um Geld zu verdienen, das man dann wieder in den Supermarkt trägt. Wir haben uns diesen Umweg gespart; Saatgut ist sehr günstig und die Arbeit im Garten macht uns Spaß, besonders wenn es dann ans Ernten geht (lacht). Und es ist letztendlich viel einfacher als man zu Anfang denkt.

Gibt es Vorbilder für Eure selbständige Lebensform?

Markus: Natürlich! Meine Mutter. Sie hatte, und hat noch immer einen Gemüsegarten. Mein Bruder und ich standen immer draußen und haben alles weggefuttert was reif und lecker war. Erbsen, Johannisbeeren, Erdbeeren, Möhren. Wir haben alles gefuttert bevor es im Topf landen konnte. Meine Mutter kann ich auch fragen, wenn irgendwas nicht so wächst wie es soll. Meistens ist die Antwort ganz simpel und fängt mit einem: „Das ist ja klar, dass das nicht wächst.“ an. Da stehen die Pflanzen zu nah zusammen oder zu sehr in der Sonne. Aber wir haben auch nicht den Anspruch alles perfekt zu machen. Und es gibt immer wieder positive Überraschungen. Wir waren z. B. total erstaunt wie pflegeleicht und ertragreich Topinambur ist.

Susanne: In meiner Familie wurde schon immer nebenbei etwas Landwirtschaft betrieben. In Kindertagen habe ich mir den Garten mit Kaninchen und Hühner geteilt und heute unterhält mein Vater eine kleine Schafherde. Als Markus und ich dann aufs Land gezogen sind, war natürlich die erste Maßnahme Haus und Hof mit tierischen Freunden zu besiedeln. Mittlerweile leben wir mit zwei Katzen und neun Wachteln zusammen.  Anfangs hab ich einige Gartenplaner gewälzt, vor allem „Der Selbstversorger“ (Wolf-Dieter Storchl). Ich plane immer viel, vor allem wenn es um Fruchtfolgen und Beetnachbarn geht, und dann bricht doch alles wieder in Chaos aus. Und trotzdem: Es wächst immer was und in den Sommermonaten können wir aus dem Gemüsegarten leben.

Eure praktische Arbeit auf dem Hof und im Garten beschreibt Ihr auf Eurem Blog semiautark. Dort gibt’s auch eine Menge Rezepte.

Susanne: Wir haben mit dem Blog über die Wintermonate 2014 gestartet. In einer Zeit also, die gartentechnisch nicht so aufregend war. Und da haben wir den Blog hauptsächlich dafür genutzt, vegane Rezepte zu posten oder Einweck- und Verarbeitungsmethoden vorzustellen. Gerade für Veganer auf dem Land ist die eigene Lebensmittelherstellung attraktiv, da die Auswahl an veganen Produkten leider noch nicht überall besonders groß ist. Aber da tut sich im Moment ja Einiges.

markus.2Welche positiven Erfahrungen habt Ihr mit Eurem Garten bis jetzt gemacht?

Markus: Wenn man an so einen Garten ganz unbedarft rangeht, macht man fast nur positive Erfahrungen. Zu meinem Erstaunen ist fast alles gewachsen und hat auch geschmeckt. Die schlechten Erfahrungen macht man dann eher mit der Tierwelt. Mäuse können ganz schön viele Möhren essen und Hasen graben gerne Wurzeln aus. Total nervig.

Susanne: Ich find’s schön, dass sich die Tiere so wohl bei uns fühlen. Eine meiner schönsten Gartenerfahrungen hatte ich eines lauen Sommerabends als ich nur schnell noch gießen wollte und fünf Babykaninchen entdeckt habe, die reglos zwischen den Gemüsepflanzen lagen und darauf gewartet haben, dass ich mich wieder verziehe (lacht).

Generell versuchen wir aber was die Pflanzen angeht, immer zwei Schienen zu fahren: Einmal das Gärtnern im Garten und dann noch eine Form von „Urban Gardening“ in Blumentöpfen, die wir in unserem Innenhof stehen haben. Damit sind wir dann auf der sicheren Seite. Was seltsamerweise nicht klappt bei uns sind Erdbeeren, aber das ließe sich noch mal mit einer anderen Sorte testen.

Wie wollt’ Ihr in fünf Jahren leben?

Markus: In fünf Jahren hoffe ich noch ein wenig mehr Land zu besitzen und das Ganze etwas großflächiger angehen zu können. Ich will kein Landwirt werden aber es ist einfacher auf 50 qm Bohnen zu pflanzen und dort genug zu ernten als auf 10 qm. Ein paar Obstbäume wären auch noch schön. Etwas weiter in die Zukunft gedacht würde ich vielleicht auch bei meiner Vollzeitarbeit etwas kürzer treten, um mehr von meiner eigenen Händen Arbeit zu leben.

Susanne: Ziegen. Ich will unbedingt zwei oder drei Ziegen, das sind so nette Gesellen. Und natürlich eine Streuobstwiese, die die Ziegen dann pflegen können.

Vielen Dank für das Gespräch.

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