Gewächshäuser aus Papier für Selbstversorger

Gewächshäuser aus Papier, Rendering

Eliza Hague hat aufblasbare Gewächshäuser aus Papier entworfen. Mit dieser nachhaltigen Idee möchte die Design-Studentin den Bewohnern von Jaipur (Indien) beim Anbau eigener regionaler Lebensmittel helfen und einen Gegenpol zur wachsenden Nachfrage des Fleischkonsums in Indien setzen.

„Der Fleischkonsum nimmt weltweit immer mehr zu. Insbesondere in Ländern, die einen rapiden Anstieg des Wohlstands erleben so wie in Indien“, erklärt Eliza Hague von der University of Westminster. „Und obwohl es in Indien 337 Millionen Vegetarier gibt, ernähren sich 71 Prozent der in Indien lebenden Menschen von Fleisch“, so Hague.

Alternative aus Kunststoff

Die für den Fleischanbau benötigte Landfläche ist weitaus größer als für die im Freiland produzierten vegetarischen Lebensmittel. Noch weniger Platz nimmt der Anbau im Gewächshaus ein. Die indische Regierung unterstützt diese flächenreduzierte Form auch deswegen, weil die Produktion von Wind und Wetter geschützt und dadurch das Einkommen der Bauern sichergestellt wird.

Bis dato wurden bei den Gewächshäusern Polyethylenfolien als Abdeckmaterialien eingesetzt. Diese müssen allerdings jährlich ersetzt werden und führen zu einer großen Menge an Kunststoffabfällen.

Ein anderes Material musste als geeignete Verkleidung her. Eliza Hague begann mit Papier zu experimentieren. Seine billigen, leichten und lichtdurchlässigen Eigenschaften schienen für den Einsatz beim Gewächshaus geradezu perfekt zu sein.

Das Papier selbst wird aus lokal beschafftem Bambus hergestellt; eine Beschichtung aus Naturharz sorgt für Haltbarkeit und Wetterbeständigkeit. Mehrere Blätter des Bambuspapiers werden aneinander geklebt und – ähnlich wie Origami – zu einem Hohlkörper gefaltet. Flach zusammengedrückt können sie platzsparend zum ausgewählten Ort transportiert werden, wo sie dann mit Luft aufgeblasen die Hauptstruktur des Gewächshauses bilden.

Für eine natürliche Belüftung dieses Gebäudes sorgen integrierte, schwarze Solarballons, die sich mit der Sonnenwärme ausdehnen und bei fehlender Sonne zusammenziehen und so eine Lüftungsklappe öffnen bzw. schließen.

Gemeinschaftliche Gewächshausdörfer

Eine Gewächshauseinheit besteht aus mehreren dieser Bamuspapier-Strukturen und wird durch ein Gemeinschaftshaus aus Lehm abgeschlossen. Das Material schützt dabei besonders vor den extremen Temperaturen in Jaipur.

Gewächshäuser aus Papier

Die Gewächshäuser aus Papier sollen vor allem die Selbstversorgung ermöglichen. 40 Quadratmeter Gewächshausfläche benötigt jeder einzelne, um für sich selbst genügend Nahrungsmittel anzubauen. Die Designerin hat weitere Typologien für Zwei-, Drei- und Vier-Personen-Haushalte entwickelt. In weiterer Folge könnten gemeinschaftliche „Gewächshausdörfer“ entstehen, die für Nahrungsmittelsicherheit in ländlichen, abgelegenen Regionen sorgen.

Gewächshäuser aus Papier

über_Land

Der Blog über_Land beschäftigt sich mit innovativer Landwirtschaft in der Stadt und auf dem Land. Themen wie Urban Farming, Vertical Farming, Aquaponic stehen genauso im Vordergrund. Der Blog geht aber auch der Frage nach, wie Gemeinden für ihre Bewohnerinnen und Bewohner neue, qualitätsvolle Konzepte entwickeln, wo Wohnen, Leben und Arbeiten möglich wird. Der Blog ist seit 2011 online. Gründerin und Herausgeberin ist Barbara Kanzian. Erfahren Sie mehr über sie auf ihrer Unternehmens-Website.

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