Artgerechte Bienenhaltung: Bienenkörbe aus Stroh

Bienenkörbe aus Stroh

Dass Imkern nicht gleich Imkern ist, beweist Manfred Gartner aus Dellach im Drautal. Bienenkörbe aus Stroh statt gängige Magazinbeuten sind die Basis seines Imkerns. Auch zur Varroabekämpfung hat Gartner seine eigenen Mittel. Ein Beitrag von Gastautorin Katharina Hoff-Powell.

An einem wolkigen Nachmittag im Juli finden sich eine Handvoll JungimkerInnen bei Manfred Gartner in Dellach im Drautal ein, um mehr über seine Art der Bienenhaltung zu erfahren. Nach einer kurzen Einführung in die Korbimkerei mit ihrem Ursprung in der Lüneburger Heide geht es an’s Eingemachte. Der Bienenstand wird mitsamt allen Gerätschaften von den interessierten JungimkerInnen unter die Lupe genommen.

Artgerechte Bienenhaltung

6 Bienenvölker leben in runden, naturnahen Behausungen aus geflochtenem Stroh und Kuhdung. Die Bienenkörbe aus Stroh sind original Lüneburger Stülper, so wie sie auch die Heideimker in Deutschland traditionell verwendet haben. Diese Art der Imkerei gilt als eine der Ursprünglichsten und wird mittlerweile auch an ihrem Entstehungsort der Lüneburger Heide immer seltener. Dabei bringt sie viele Vorteile mit sich. Die runde Form sowie das natürliche Material der Bienenbehausung beugen Wärmebrücken und Schimmelbildung vor, welche in eckigen Magazinbeuten oft ein Problem darstellen. Die Bienen können ihre Waben selbst bauen und bekommen keine vorgefertigten Rähmchen mit Wachsplatten in den Stock gehängt. Sie können sich also aussuchen, wie sie bauen und setzen ihre Wachsdrüsen kräftig ein. Ohne Rähmchen können die einzelnen Waben nicht aus dem Stock gezogen oder umgestellt werden, was zwar die Durchsicht für den Imker erschwert, die Bienen jedoch freut.

Klein aber fein

Natürliche, nachhaltige und artgerechte Bienenhaltung ist Manfred Gartner wichtig. Für diese ist für den passionierten Imker vor allem die Größe der Bienenbehausung ausschlaggebend. In einen Bienenkorb mit 20-25l Volumen passen nicht mehr als 15000 Bienen. Alles, was darüber hinausgeht, kommt laut Gartner fast einer Massentierhaltung – Volksstärken von 60000 sind in anderen Stöcken keine Seltenheit – gleich. Gleichzeitig merkt er aber auch an, dass im Magazin, also in einer eckigen Bienenbehausung, auch artgerecht geimkert werden kann, wenn nur eine Zarge verwendet wird und nicht, wie allgemein üblich, mehrere Honigräume aufgesetzt werden, um die Bienen zur Honigproduktion anzuregen. Denn sobald der zur Verfügung stehende Hohlraum mit Waben ausgebaut und mit Brut und Honig befüllt ist, können sich die Bienen anderen wichtigen Aktivitäten zuwenden, wie z. B. der Stockhygiene und ihrem natürlichen Putzverhalten. Diese sind wiederum wichtig, um sich gegen Eindringlinge und Parasiten, Stichwort Varroa-Milbe, wehren zu können.

Rharbarberblätter zur Varroabekämpfung

Unter Imkern werden die unterschiedlichen Praktiken und Mittel, unter anderem auch zur Varroabekämpfung, hitzig diskutiert. Für Manfred Gartner ist es eine Überzeugungssache. Er basiert seine Methoden auf Erfahrungswerten. So hat er zum Beispiel gute Erfahrungen mit Rhabarberblättern gemacht, die er den Bienen zum Verzehr unter den Korb legt. Die enthaltene Oxalsäure soll gegen die Varroa-Milbe helfen und ist, in höherer Konzentration, auch in diversen apothekenpflichtigen Mitteln zur Varroabekämpfung enthalten, welche teilweise auch im Bienenkorb Verwendung finden. Ergänzend setzt Gartner auch Bücherskorpione ein, die mit den Bienen eine Symbiose eingehen und die Varroa-Milben fressen.

Das Wohl der Bienen im Vordergrund

Für Manfred Gartner steht fest, dass der Bienenkorb den Bienen ein naturnahes und artgerechtes Leben ermöglicht. Die Honigproduktion ist für ihn, der kein Berufsimker ist, dabei nebensächlich. Erst im zweiten Jahr wird der Honig geernet, das auf circa 6000-7000 Bienen geschrumpfte Wintervolk überwintert im ersten Jahr auf seinem eigenen Honig und verbraucht dabei sensationell wenig Futter, im Schnitt lediglich 2,5kg. Zuckerwasser wird zwar wie üblich auch zugefüttert, kann aber die gesunden Inhaltsstoffe von Honig, Pollen, Propolis und Bienenwachs nicht ersetzen, so Gartner.

Die Vitalität seiner Bienen spricht für sich. Wir JungimkerInnen sind fasziniert von der Bandbreite der Möglichkeiten in der Korbimkerei und machen uns beschwingt und inspiriert auf den Heimweg. Die ein oder andere Idee wird auch in einigen unserer Bienenstöcke Anwendung finden.

Manfred Gartner

ist Korbimker aus Überzeugung und Mitglied im Gartenbauverein Grünes Tirol. Derzeitiges Projekt des Vereins: Sonnengarten Lienz.

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