Nachhaltige Architektur für Urban Gardener

Student*innen der TU Wien haben in den letzten zwei Sommersemestern nachhaltige Architektur für Urban Gardener geplant und errichtet: Sowohl beim Neumarx Garten als auch beim Sophiengarten entstanden Pavillons aus Materialien wie Holz, Lehm und Stroh zum Einsatz. Mit der Wiederverwendung alter Werkstoffe können Baukosten und der ökologische Fußabdruck minimiert werden.

Auf einem Zwischennutzungsareal hat der Verein Neumarx Garten (Wien Landstraße) in der letzten Zeit schon fleißig Urban Gardening betrieben. Nun sollte für die emsigen Stadtgärtner*innen ein kühler, sonnengeschützter Ort zum Verweilen geschaffen werden. Die Gärtner*innen, die von Beginn an in die Planungsentscheidungen miteingebunden sind, entscheiden sich für die Umnutzung der bereits am Areal bestehenden Baustellencontainer.

Lehm, Holz und Stroh

Das Student*innen-Team – rund um die Betreuer*innen Andrea Rieger-Jandl, Flavia Matei und Florian Kolar – müssen eine Abkühlung für den stark aufheizenden Innenraum des Containers schaffen. Sie verstärken die Blechwände mit Lehm und erzielen so ein angenehmes Raumklima. Eine Holzrahmenkonstruktion verleiht den Wänden optische Tiefe; ein weiteres Betätigungsfeld für die Gärtner*innen stellt die neue begrünte Wand dar.

Die ursprünglich, voneinander getrennten Container werden von den Student*innen räumlich verbunden; durch die Überdachung eines Zwischenraums entsteht ein neuer qualitätsvoller Aufenthaltsraum.

Re- und Upcycling als Teil des Urban Gardening-Konzeptes

Gebrauchte bzw. nicht mehr gebrauchte Materialien und Gegenstände finden im Neumarx Garten eine neue Funktion. So kommen z. B. alte Schalungsbretter von umliegenden Baustellen zum Einsatz oder die verwendeten Lehmziegel stammen aus Restbeständen von einem vorhergehenden Universitätsprojekt. Auch „Abfallmaterialien“ wie Holzspäne und Sägemehl werden in Boden- und Putzlehmmischungen wiederverwendet. Dadurch wird der finanzielle und materielle Ressourcenverbrauch sowie der ökologische Fußabdruck auf ein Minimum beschränkt.

Nach einmonatiger Bauphase können die Container dem Gartenverein übergeben werden. Die Gärtner*innen erhalten genau das, was die Entwürfe versprochen haben: Schutz vor dem Wetter, Erholung von der Gartenarbeit und eine ressourcenschonende Baulösung.

Der Sophiengarten

Auch beim jüngsten Projekt „Sophiengarten“ (Wien Landstraße) schaffen die Student*innen einen Rückzugsort und bauen nachhaltige Architektur für Urban Gardener. Der Pavillon ist ein Ort für das Zusammensitzen, Ausruhen und für das miteinander Feiern. Auch hier begleiten die Gärtner*innen von Anfang an den Planungsprozess, bei dem der Lärmschutz, die Verschattung, die Verwendung nachhaltiger Materialien und die kostengünstige Umsetzung im Vordergrund stehen. Die Realisierung dieses Projektes war eine Win Win-Situation: „Die Studierenden konnten mit den Materialien auf Tuchfühlung gehen und diverse Werkzeuge und Techniken praktisch erproben. Gleichzeitig sind die Gärtner*innen und die gesamte Nachbarschaft um einen neuen Platz zum Entspannen und Verweilen reicher geworden“, so die Projektverantwortliche Andrea Rieger-Jandl.

über_Land

Der Blog über_Land beschäftigt sich mit innovativer Landwirtschaft in der Stadt und auf dem Land. Themen wie Urban Farming, Vertical Farming, Aquaponic stehen genauso im Vordergrund. Der Blog geht aber auch der Frage nach, wie Gemeinden für ihre Bewohnerinnen und Bewohner neue, qualitätsvolle Konzepte entwickeln, wo Wohnen, Leben und Arbeiten möglich wird. Der Blog ist seit 2011 online. Gründerin und Herausgeberin ist Barbara Kanzian. Erfahren Sie mehr über sie auf ihrer Unternehmens-Website.

2 Gedanken zu „Nachhaltige Architektur für Urban Gardener

  • 9. September 2020 um 11:51
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    gefällt mir, habe gestern auch ein Buch über UPCYCling besorgt, dort werden überwiegend alte Paletten verwendet, das Problem hier ist, dass Berlin immer mehr (schreber-)gärten verliert, weil investoren BAULAND abgreifen, und unmotorisiert komme ich nicht so locker ins Umland, mit einem Rad schon, aber Materialien weniger….mal sehen, ein Bekannter schwärmt vom Elbtal östlich vom wendland, noch- relativ schwächer bewohnt als Brandenburg in Berlin-Nähe…. mal nach weiteren Suchenden Ausschau halten. dank für diesen artikel, gute anregungen. mandiro

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    • 10. September 2020 um 18:10
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      Lieber Mandiro, dank Dir für Deinen Kommentar. Ja, das hab ich auch schon gehört, dass in Berlin kaum mehr Freiflächen zur Verfügung stehen. In Wien haben wir – aufgrund einer ganz anderen städtebaulichen Situation wie in Berlin – nie besonders viel Freiflächen in der Vergangenheit gehabt. Hier werden Zwischennutzungen gemacht wie im Fall dieser beiden Urban Farms. Danke für den Hinweis mit dem Wendland, vielleicht ergibt es sich ja mal, dass ich konkret auf über_Land von einer Urban Farm dort berichte. Hier noch ein Link zu einer über_Land-Geschichte, wo der Architekt Mads Boserup Lauritsen viel aus recycelten Materialen in der Urban Farm gemacht hat. https://www.ueber-land.eu/urban-farming-kopenhagen-tagtomat-mads-boserup-lauritsen/ Liebe Grüße Barbara

      Antwort

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